
Mit dem Air 5400 RS-R ARGB hat Corsair ein ganz besonderes Gehäuse im Angebot. Mit einer dritten Kammer kann eine AiO-Wasserkühlung getrennt von der Hauptkammer genutzt werden, sodass sich die Kühlungen von CPU und GPU nicht gegenseitig beeinflussen sollen. Wir haben geschaut, ob das Prinzip in der Praxis funktioniert und beide Einbauvarianten miteinander verglichen.
Technische Daten
| Maße (LxBxH) | 470 x 340 x 467 mm |
| Material | Stahl, Glas, Kunststoff |
| Mainboard-Format | E-ATX (305mm x 277mm), ATX, M-ATX, Mini-ITX Kompatibel zu Back-Connect |
| Anschlüsse Front | 1x USB 3.2 Gen2 Typ C 2 x USB 3.2 Gen1 Typ C 1x Audio |
| CPU-Kühler-Höhe | max. 180 mm |
| Grafikkarten-Länge | max. 360 mm |
| max. Laufwerke | 1x 3.5″/2x 2.5″ |
| Vorinstallierte Lüfter (mm) / (U/min) | Boden: 3x RS-R ARGB 120mm (0,420-2100 U/min) |
| Maximale Lüfterinstallation (mm) | Vorne: 3x 120 mm Deckel: 3x 120 mm Boden: 3x 120 mm Heck: 1x 120 mm |
| Optionale Radiatoren (mm) | Deckel: max. 360 mm Seite: max. 360 mm Heck: max 120 mm |
| RGB-Beleuchtung | Lüfter |
| Sonstiges | -GPU-Stütze -Lufttrichter -3 Kammern |
| Preis | Amazon.de: € 263,86* |
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Corsair Air 5400 RS-R ARGB im Detail
Das Corsair Air 5400 RS-R ARGB sieht auf den ersten Blick wie ein typisches Zwei-Kammer-Gehäuse aus, bietet jedoch drei Kammern und auch ein paar weitere Besonderheiten. Sowohl die gläserne und elegant gebogene Front als auch die große Glasseite sind Türen und können somit ganz bequem geöffnet werden, um Zugriff auf den Innenraum zu bekommen. Die große Seitentür sollte man jedoch entfernen, wenn man das Gehäuse hinlegt. Dazu muss nur eine Schraube entfernt werden.

Bleiben wir kurz bei dem Glas: Dieses ist von außen mit einer Laminierung versehen worden. Diese ist bei unserem Sample nicht ganz perfekt verklebt bzw. an einem Rand leicht abgerissen, was bei dem hohen Preis unschön ist. Im Gegensatz zu der Schutzfolie im Inneren darf die Laminierung nicht entfernt werden!
Die Kammer rechts ist mit einem um die Ecke laufenden Lüftergitter abgedeckt, das einfach abgezogen werden kann. Dahinter verbirgt sich die speziell für eine AiO-Wasserkühlung gedachte Montageposition. Die Halterung kann über zwei Schrauben entfernt werden.

Wer will, kann den Staubfilter aus dem Lieferumfang hier einsetzen. Eine Luftführung aus transparentem Kunststoff trennt diese Kammer von den anderen Kammern ab und führt die warme Luft aus der rechten Seite. Etwas ungewohnt ist, dass diese an der Stelle nicht verschlossen ist und seltsam offen wirkt.

Der Rest der rechten Seite aus Stahl ist ebenfalls als Tür realisiert und gibt somit leichten Zugriff. Auf Höhe des Netzteils ist die Fläche gelocht.
Der Deckel kann einfach abgezogen werden, um Zugriff auf die Lüfterhalterung darunter zu erhalten. Im rechten Teil sind die Anschlüsse integriert, wobei man bei einem derartigen Showcase über untenliegende Anschlüsse hätte nachdenken können. Ungewöhnlich ist, dass Corsair vollständig auf USB-A-Anschlüsse verzichtet und gleich drei USB-C-Anschlüsse anbietet. Zwei davon sind allerdings mit dem internen USB-3.0-Anschluss auf dem Mainboard verbunden und erreichen entsprechend maximal 5 Gbit/s. Ganz frei von Kritik ist das Design nicht, da sich USB-A-Sticks oder ähnliches so nicht direkt am Frontpanel verwenden lassen.

Das Heck verrät im Wesentlichen den inneren Aufbau. Sollte man an dem schmalen Gitter einen 120-mm-Lüfter befestigen wollen, so muss man auf die Streben aus dem Lieferumfang zurückgreifen. Der Lüfter wird dann allerdings deutlich von der umlaufenden Scheibe verdeckt und dürfte nur in wenigen Fällen Sinn ergeben, wenn unbedingt ein Luftstrom in dem Bereich erzielt werden soll.

Im Boden befindet sich ein ausziehbarer Staubfilter, der den kompletten Gehäuseboden abdeckt. Die Ausschnitte hätten zur optimalen Wirkung der Lüfter sicher etwas größer sein können.

Der Innenraum der Hauptkammer ist eigentlich typisch wären da nicht die großen transparenten Luftführungen aus Plastik. Diese sollen den Luftstrom gezielter auf die Grafikkarte richten. Wir haben dessen Wirkung allerdings nicht wirklich nachvollziehen können und nur minimale Unterschiede erreicht. Ohne den Luftführungstrichter unten stieg die GPU-Temperatur um ca. 1 Grad. Das konnten wir in je zwei Messungen beobachten, liegt aber trotzdem locker in der Toleranz. Bei anderen Systemen und Szenarien könnte das vielleicht anders aussehen.
Im Vergleich zum soliden Stahl und Glas des Gehäuses wirken die Plastikelemente nicht unbedingt hochwertig und für uns wenig ansprechend. Wenn sie stören, kann man sie aber einfach herausnehmen. Die Luftführung in der AiO-Kammer hätte nach unserem Geschmack ein schwarzes Stahlelement sein dürfen, das robuster wäre und zudem die Verkabelung verstecken würde, die so aufwändiger zu kaschieren ist. Bei den verbauten Lüftern handelt es sich um die bekannten Corsair RS-R ARGB im Reverse-Layout und 120-mm-Format. Diese verfügen über einen ZeroRPM-Modus und rotieren zwischen 420 und 2100 rpm. Zur (De)Montage der Lüfter kann der Rahmen ausgebaut werden.
Ungewohnt sind außerdem die Bürstendichtungen für Kabel und den AiO-Schlauch. Diese legen sich prinzipiell gut um die Kabel und dichten alles ab. Leider sehen sie schnell recht unordentlich aus, da Borsten wild abstehen und Perfektionisten wohl den Drang haben werden das Gehäuse erstmal zu frisieren. Die integrierte GPU-Stütze ist in der Höhe verstellbar. Leider passt sie bei unserer Grafikkarte mal wieder nicht und blockiert dessen hervorstehende Lüfter.

Baut man den Lufttrichter oben aus, kann dort auch ein 360-mm-Radiator verbaut werden. Eine AiO sollte aber unbedingt in die dafür vorgesehene Nebenkammer. Das Gehäuse ist ausschließlich auf 120-mm-Lüfter ausgelegt. Drei sind wie oben gezeigt bereits unten verbaut, drei weitere können oben montiert werden.

Der Mainboard-Träger stellt wieder das RapidRoute 2.0-System bereit, also das Stecksystem an dem Kabelhalterungen flexibel an dem gelochten Stahl angesteckt werden können. Die Rückseite bietet viel Platz für Kabel. Noch mehr, wenn man den modularen HDD-Träger ausbaut. Er ist jedoch die einzige Möglichkeit 2.5- und 3.5 Zoll-Laufwerke zu verbauen und kann auch genutzt werden um einen Corsair iCUE-Link Hub (in dieser Variante nicht enthalten) zu befestigen.

Die Zugänglichkeit zum Inneren ist dank der Türen und entfernbaren Flächen sehr gut, der Einbau bei der AiO aber trotzdem etwas aufwändiger. Die AiO wird an der herausgenommenen Halterung montiert und dann eingesetzt. Die Platzverhältnisse sind in der Höhe aber nicht unbedingt üppig, so dass die AiO oben schnell mit den dortigen Kabeln zusammenstoßen kann und möglichst tief montiert werden muss. Auch das Einsetzen der Luftführung, über die die Schläuche geführt werden, bedarf etwas Fingerspitzengefühl, da es recht eng zugeht.
Die Kabel von der AiO-Kühlung möglichst gut zu verstecken ist nicht einfach und schnell sieht man sie durch die durchsichtige Trennwand. Etwas Geduld ist also erforderlich. Mit dem Luxus einer iCUE-Link-AiO fällt der letzte Punkt natürlich einfacher aus, die wir hier bewusst nicht eingesetzt haben.

Der Rest der Installation klappte ohne größere Schwierigkeiten. Corsair hat uns drei weitere RS120 ARGB Lüfter beigelegt, die wir im Deckel montiert haben.
Temperaturen im Corsair Air 5400 RS-R ARGB
Da das Corsair Air 5400 RS-R ARGB speziell auf den Einsatz mit einer AiO ausgelegt ist, haben wir nicht unser Gehäuse-Testsystem mit Luftkühler genutzt und stellen keinen Vergleich mit anderen Gehäusen an. Stattdessen testen wir, ob und welche Vorteile die Drei-Kammer-Lösung bietet. Dazu haben wir die AiO einmal wie vorgesehen vorne und einmal im Deckel montiert.
Testsystem und Ablauf
- AMD Ryzen 7700X @ 100W
- Corsair Nautilus 360
- NZXT N7 B650E
- Zotac GeForce RTX 3080 12 GB Trinity OC
- 16 GB DDR5-RAM
- be quiet! Straight Power 12 750W
Als Software dienen prime95 (12k ohne AVX) für die CPU und MSI Kombustor für die GPU. Jeder Testlauf ging 5 Minuten nach einer Aufwärmzeit von 20 Minuten. Die Werte sind der jeweilige Durchschnittswert dieser 5 Minuten, normiert auf 20 Grad Raumtemperatur.
Die Lüfter haben wir auf ca. 36 dB(A) reguliert, was in etwa 1000 U/min sowohl bei den Gehäuselüftern als auch der AiO entspricht. Die GPU-Lüfter wurden bei 65% betrieben.
| CPU-Temperatur | GPU-Temperatur | |
|---|---|---|
| AiO vorne | 71,7 °C | 66,2 °C |
| AiO im Deckel | 85,6 °C | 67,3 °C |
Das Ergebnis ist natürlich eindeutig. Während es unsere Grafikkarte in diesem Setting nicht sonderlich interessiert hat wo die AiO montiert war, wurde die CPU um 14 Grad wärmer, wenn die AiO im Deckel montiert wurde. Da das Gehäuse ausschließlich über Bodenlüfter zur Frischluftzufuhr verfügt, wird die gesamte Abwärme der Grafikkarte durch den Radiator abgeführt. Bei typischen Airflow-Gehäusen mit Frontlüftern dürfte der Unterschied zwischen den Montagepositionen nach unseren Erfahrungen etwas geringer ausfallen, aber auch dort gibt es Kompromisse zu machen, die das Air 5400 durch die dritte Kammer umgeht.
Die Stärke des Effekts ist natürlich auch von der verwendeten Grafikkarte abhängig. Unser Modell kommt auf 340 Watt während des Testlaufs.
Fazit
Das Corsair Air 5400 RS-R ARGB ist wahrscheinlich eines der innovativsten Gehäuse, das wir in diesem Jahr testen durften. Die Idee eine AiO-Wasserkühlung in eine eigene Kammer zu versetzen ist effektiv und macht die Diskussion wo man eine AiO am besten einbaut bei diesem Gehäuse überflüssig. Das Konzept geht auf. Sowohl Grafikkarte als auch CPU können optimal arbeiten ohne sich gegenseitig zu beeinflussen und bleiben kühl. Der Einbau der AiO in die dritte Kammer erfordert aber etwas Geduld und gleichzeitig ist auch klar: Mit einem Luftkühler ergibt das Gehäuse wenig Sinn. Es ist voll und ganz auf eine ausgelagerte Kühlung in die Nebenkammer ausgelegt.
Qualitativ kann das Gehäuse eigentlich sehr überzeugen, mit kleinen Abstrichen. Der Stahl ist ansprechend stabil und sauber verarbeitet. Das Glas ist an sich auch hochwertig, mit kleinen Abstrichen bei der Laminierung, die an einer Kante nicht perfekt ist. Dass gleich drei Flächen als Türen umgesetzt sind ist natürlich super und steigert den Komfort.
Weniger ansprechend sind die durchsichtigen Kunststoffteile. Die Lufttrichter können bei Nichtgefallen aber einfach entfernt werden. Die Trennung der Kammern hätte nach unserem Geschmack gerne mit einer blickdichten Stahlwand umgesetzt werden können. Hin und her gerissen sind wir zudem was die Bürsten angeht. Sie erfüllen ihren Zweck, aber abstehende Borsten können den Gesamteindruck etwas stören. Streiten kann man auch über das I/O-Panel ohne USB-A-Anschlüsse und dessen Positionierung.
Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass Corsair hier ein tolles Gehäuse mit einem idealen Konzept für AiO-Wasserkühlungen im Angebot hat. Aufgrund der genannten Kritikpunkte und dem hohen Preis haben wir lange über den Award nachgedacht. Wie denken aber, dass das innovative Konzept, das in der Praxis echte Vorteile bringt, entsprechend belohnt werden sollte, auch wenn nicht alles perfekt ist. Wir hoffen, dass Corsair das Konzept weiter verfolgt und perfektioniert.

Wir haben das Produkt vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Test oder die Wertung fand nicht statt.








