
Das Corsair Warthog kommt mit einem sehr speziellen militärischem Design und soll das Vengeance C70 von vor fast 15 Jahren beerben. Wir durften das Gehäuse bereits testen und haben es uns von innen und außen angeschaut.
Technische Daten
| Maße (LxBxH) | 534 x 284 x 546 mm |
| Material | Stahl, Glas, Kunststoff |
| Mainboard-Format | Mini ITX / Micro ATX / ATX / E-ATX (305 x 277mm) Back-Connect-Support |
| Anschlüsse Front | 2x USB 3.1 Gen 1 Typ A 1x USB 3.2 Gen 2×2 Typ C 1x Audio |
| CPU-Kühler-Höhe | max. 190 mm |
| Grafikkarten-Länge | max. 400 mm (mit Lüfter vorn) |
| max. Laufwerke | 1x 3,5 Zoll 2x 2,5 Zoll |
| Vorinstallierte Lüfter (mm) / (U/min) | Vorne: 2x 200 mm (RS200) (max 1000 U/min) Heck: 1x 120 mm (RS120) (max 2100 U/min) |
| Maximale Lüfterinstallation (mm) | Deckel: 3x 120/2x 140 mm Seite: 3x 120/2x 140 mm Front: 3x 120/2x 140 mm Boden: 1x 120 mm PSU: 2x 120 mm |
| Optionale Radiatoren (mm) | Deckel: max. 280/360 mm Seite: max. 280/360 mm Front: 280/360 mm |
| RGB-Beleuchtung | – |
| Sonstiges | -RapidRoute 2.0 -InfiniRail -Beleuchtung Rückseite |
| Preis | -194,90€ (ohne Lüfter) -229,90€ (mit Lüfter) |
Corsair Warthog im Detail
Das Design des Warthog ist natürlich außergewöhnlich und dürfte in diesem Fall besonders eine Frage des Geschmacks sein. Wir haben das Gehäuse in Schwarz vorliegen, die olivgrüne Variante unterstreicht das Militärische nochmal deutlicher.

Dabei sieht das Warthog nicht nur robust aus, es ist auch robust. Eingefasst wird es von stabilen Träger und Standfüßen und auch die Glasscheibe wird von einem stählernen Rahmen und Streben abgedeckt. Sogar die Lüftergitter zeigen sich stabil und geben unter Druck vergleichsweise wenig nach. Corsair nutzt an Deckel und Front das vom Frame 4000D bekannte 3D-Y-Muster.
Die Front ist ganz praktisch als Tür mit roter Zuglasche umgesetzt. Dahinter befindet sich ein Staubfilter und im Falle des Warthog RS zwei riesige 200-mm-Lüfter, die auf dem InfiniRail-System montiert sind. Mit diesem System können die Lüfterschienen auf unterschiedliche Größen angepasst werden, wobei uns die Beschriftung für die Lüftergrößen bzw. deren Einstellung nicht ganz erschlossen hat, letztlich ließen sich testweise aber 140-mm-Lüfter einbauen. Das Warthog gibt es auch ohne Lüfter und dies – Spoiler – könnte je nach Anspruch die bessere Lösung sein.
Mitgeliefert wird ein Kästchen mit sortierten Schrauben, was uns sehr gefällt. Außerdem unter anderem auch Kabelhalterungen und eine Art Schlüsselband, das man vorn am Case einstecken kann.

Nicht weniger bemerkenswert ist das darunterliegende I/O-Panel, zu dessen Erreichbarkeit das Case auf dem Tisch stehen sollte. Neben dem allgemeinen Design sticht natürlich die Abdeckung des Resetknopfs hervor, der das Militär-Design nochmal betont. Mit dem Light-Button kann eine Beleuchtung am Heck des Gehäuses aktiviert werden, die die Anschlüsse beleuchtet – das ist mal wirklich ein praktischer Einsatz von Licht im PC. Angeschlossen wird die Beleuchtung intern über einen ARGB-Header.

Die Rückseite bietet darüber hinaus drehbare Slotblenden für die vertikale Montage. Man sieht außerdem, dass zu den Frontlüftern noch ein RS120-Lüfter verbaut ist.

Am Deckel findet man zwei Schrauben. Löst man diese, kann der Deckel mit der Zuglasche einfach abgezogen werden, um dort Lüfter oder einen Radiator einzubauen.
Gerade im Vergleich zu der stabilen, von Stahl dominierten Bauweise fällt der Staubfilter im Boden negativ auf. Sein Rahmen besteht aus recht dünnem Kunststoff. Zwar sorgt seine Form dafür, dass man ihn bequem greifen und zur Seite ziehen kann, aufgrund der Materialanmutung hätten wir diesen aber wohl lieber mehr versteckt.

Im Innenraum geht es dann deutlich gewöhnlicher zu und hier erinnert das Warthog an die Gehäuse der Frame Serie. Dominiert wird das Erscheinungsbild von dem Lochraster im Mainboard-Tray, auf dem man Kabelhalterung rückseitig anstecken kann (RapidRoute 2.0). Im Lieferumfang befinden sich einige Kabelhalter

Neben der Front kann auch die Seite für Lüfter und einen Radiator genutzt werden, weshalb auch der PSU-Tunnel stark verkürzt ist. Maximal passen 13 120mm Lüfter in das Gehäuse, wenn man auf die beiden 200er in der Front verzichtet. Auch auf dem Boden kann ein 120er-Lüfter sowie zwei auf dem PSU-Tunnel montiert werden. Somit sind zahlreiche Ergänzungen möglich, um die Belüftung anzupassen.

Radiatoren können in Front, Deckel und Seite maximal 280/360mm-Format haben. Gleichzeitig passen maximal zwei 360er. Im Deckel ist der Abstand zum Mainboard mit ~3.5 cm etwas knapp, die Montageschienen befinden sich bei den 120er-Bohrungen allerdings recht weit vorn, so dass man noch ein paar Zentimeter gewinnt. Auch im Deckel gibt es das verstellbare InfiniRail-System.

Neben dem Tray findet man noch eine rudimentäre GPU Stütze, die in der Höhe verstellbar ist.

Auf der Rückseite gibt es doch recht wenig zu sehen und vor allem recht wenig Platz für Laufwerke. Maximal ein 3.5“ Laufwerk oder zwei 2.5“-Laufwerke passen in das Case. Weniger noch, wenn man die Montageplatte für einen iCUE-Link Hub nutzt, wie Corsair es bewirbt.

Für Kabel ist jedoch ausreichend Stauraum und es gibt Öffnungen für moderne Back-Connect-Mainboards. Für die konventionelle Kabelverlegung zeigt sich das Gehäuse rechts neben dem Board (von vorn gesehen) in Sachen Durchführung etwas knapp. So gibt es keine große eindeutige Öffnung für das dicke ATX-Kabel, das wir dann zwischen Lüfterrahmen und Tray hergeführt haben. Sollte man dort Lüfter oder gar einen Radiator verbauen, wird das nochmal umständlicher.

Der Einbau verlief ansonsten wie erwartet ohne Probleme, von etwas sehr festgezogenen Schrauben mal abgesehen und gestaltet sich bei der Größe weitestgehend komfortabel. Die Lüfter verfügen über Daisy-Chain-Kabel, allerdings sind sie ab Werk nicht zusammengesteckt. Wir haben letztlich den Heck und die beiden Frontlüfter auf zwei Anschlüsse verteilt, da ihre Drehzahl ohnehin sehr weit voneinander abweicht.

Die GPU-Stütze passte bei uns, mal wieder, nicht. Der Platz reicht allgemein auch für große Komponenten: CPU-Kühler bis 190mm und rund 40 cm lange Grafikkarten (mit Frontlüfter) passen in das Warthog RS.

Das Netzteil kann ganz bequem ohne Schraubendreher verschraubt werden!
Temperaturen und Lautstärke im Corsair Warthog RS
Testsystem und Ablauf
- AMD Ryzen 5800X @ 100W
- be quiet! Dark Rock Slim
- MSI B550 Gaming-Plus
- Zotac GeForce RTX 3080 12 GB Trinity OC
- 16 GB DDR4-RAM Corsair Vengeance RGB
- be quiet! Straight Power 12 750W
Als Software dienen prime95 (12k ohne AVX) für die CPU und MSI Kombustor für die GPU. Jeder Testlauf ging 10-Minuten nach einer Aufwärmzeit von 30 Minuten. Die Werte sind der jeweilige Durchschnittswert dieser 10 Minuten, normiert auf 20 Grad Raumtemperatur. Für die Messung bei gleichem Schalldruck werden die Gehäuselüfter auf 36 dB(A) reguliert (30 cm Abstand schräg von vorn). CPU-Lüfter und Grafikkartenlüfter werden auf 36 und 40 dB(A) fixiert. Die Gehäuse wurden jeweils zweimal gemessen und der Durchschnittswert beider Durchgänge genommen.
Hinweis: Solche Temperaturbeobachtungen unterliegen natürlich Variablen und Toleranzen und lassen sich auch nicht 1:1 auf andere Systeme übertragen! Neben der erreichten Abwärme spielen auch die verwendeten Kühllösungen eine Rolle.
Lautstärke der verbauten Lüfter
Während der 120er Lüfter im Heck bis 2100 U/min erreicht, begnügen sich die großen 20cm Lüfter mit maximal 1000 U/min, was bei der enormen Größe natürlich trotzdem auffällig ist. Dennoch ist der Hecklüfter, der zudem stufenhaft beschleunigt, das dominante Element und lässt, übertrieben gesagt, das Gehäuse nicht nur wie ein „Kampfjet“ aussehen.
Die maximale Lautstärke ist mit ~47 dB(A) gemessen aber nicht extrem hoch, auf maximaler Drehzahl ist das Setup dennoch sehr präsent.
Die minimale Drehzahl sorgt für einen sehr leisen Betrieb bei 420 (RS120) beziehungsweise 300 (RS200) rpm, allerdings kann man in ruhiger Umgebung noch ein hohes Sirren der Frontlüfter ausmachen, vor allem wenn das Case auf Kopfhöhe steht, was aufgrund des I/O-Panels wohl die bevorzugte Position ist. Alle Lüfter haben einen ZeroRPM-Modus, damit ist in jedem Fall Ruhe.
Temperaturen
Die Temperaturen waren auf maximaler Drehzahl etwas zwiespältig, so dass wir mit etwas zeitlichem Abstand, was durch die Verschiebung des Release gut möglich war, sogar noch eine dritte Messung gemacht haben. Während die CPU auf einem sehr ordentlichen Niveau lag, war die GPU überdurchschnittlich warm, wenn auch nicht zu warm. Besonders aber der RAM fiel durch seine ungewohnt hohe Temperatur auf. Daraus schließen wir, dass entweder der Luftstrom der großen Lüfter den RAM einfach nicht gut „erwischt“ oder die 200er Lüfter insgesamt nicht für einen so starken Airflow durch das Gehäuse sorgen, wie man erwartet, so dass auch die GPU etwas wärmer wird.

Wir haben die beiden 200er Lüfter dann einfach mal gegen zwei NF-A14x25 G2 140-mm-Lüfter von Noctua ausgetauscht. Diese sind bei maximaler Drehzahl etwas lauter, wir haben sie daher leicht gedrosselt betrieben, um ungefähr auf die gleiche maximale Lautstärke zu kommen. Interessant: Die CPU- und GPU-Temperaturen änderten sich wenig. Die CPU wurde etwas wärmer, was somit für ausreichend Frischluft durch die 200er-Lüfter sprechen dürfte. Die RAM-Temperatur sank durch die Noctuas aber um immerhin fast 3 Grad.

Gedrosselt wurde das Verhältnis von CPU zu GPU noch deutlicher. Die Temperaturen erhöhen sich allgemein, aber die CPU-Temperatur war nun schlicht großartig, während es bei den anderen Komponenten wieder überdurchschnittlich warm wurde, insbesondere bei der Grafikkarte. Diese wird in der Werkskonfiguration nicht ideal gekühlt, es gibt aber natürlich zahlreiche Möglichkeiten den Airflow in dem Gehäuse noch anzupassen.
Fazit
Beim Test des Warthog muss man den eigenen Geschmack besonders ausklammern, da das Design schon sehr speziell ist. Wer so was mag, wird am Design und den kleinen Details sicher gefallen finden. Abgesehen davon punktet das Gehäuse durch seinen soliden, stabilen Aufbau aus Stahl, wo selbst die Lüftergitter robust erscheinen. Die Front als Tür und stabile Griffe runden den Eindruck ab, lediglich der Staubfilter am Boden wirkt vergleichsweise geringwertig.
Das Innere ist weniger speziell als das Äußere und setzt auf Bewährtes: Zwar hätten wir uns neben dem Tray großzügige Öffnungen für Kabel gewünscht, dafür bietet das Warthog beim Kabelmanagement aber das tolle RapidRoute 2.0-Feature und auch Back-Connect-Support. Auch das InfiniRail-System und der Platz für Lüfter überzeugen. Die Lüfter des Warthog RS sind letztlich das, wo man überlegen kann, welche Version des Warthog man wählt. Die mitgelieferten Lüfter können zwar leise betrieben werden, bleiben aber unterschwellig hörbar und werden auch schnell präsenter. Die Temperaturen hinterließen in der Werkskonfiguration bei unserem System einen gemischten Eindruck, da die Grafikkarte etwas wärmer wurde. Es gibt jedoch viele Möglichkeiten für Optimierungen.
Die Lüfter könnte man aber erstens problemlos tauschen bzw. gibt es das Corsair Warthog auch direkt ohne Lüfter – wir vergeben unseren Gold-Award.
Wir haben das Produkt vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Test oder die Wertung fand nicht statt.







