
Oh nein, der Akkus ist leer, ausgerechnet jetzt! Wer kennt das nicht? Man vergisst ihn zu laden und bei der nächsten Gamingsession geht plötzlich nichts mehr. Es bleibt also nur warten oder auf Kabelbetrieb wechseln. Bei dem Glorious GHS Wireless InfinitePlay kann man den Akku hingegen während des Betriebs wechseln. Bis zu 2x 85 Stunden Laufzeit sind so möglich und das sogar unterbrechungsfrei!
Technische Daten
| Maße | 175x215x90 mm |
| Gewicht | 360 g |
| Verbindung | 2.4 Ghz Bluetooth USB-C |
| Akkulaufzeit | 2x 85 Stunden (Akku wechselbar) |
| Treiber | 40 mm |
| Frequenzumfang | 20-20 000 Hz |
| Mikrofone | 1x entfernbar: Omnidirektional, 70–10 000 Hz 1x intern |
| Bedienelemente | Drehregler links (Power, Chatmix, Profilwechsel, Akkuzustand) Drehregler rechts (Volume, Medienfunktionen) Zwei Buttons (Verbindung, Mikrofon stumm) |
| Preis | Amazon.de: € 229,99* |
Angebote
Glorious GHS Wireless InfinitePlay im Detail
Verpackung und Lieferumfang
Der Lieferumfang ist in diesem Fall natürlich etwas spannender. Neben dem Headset und dem obligatorischen Wireless Dongle (USB-C) bekommt man nämlich noch die beiden Akkus und eine Ladestation. Außerdem gleich zwei USB-Kabel, sodass umstecken entfällt und einen USB-C-auf-USB-A-Adapter.

Tatsächlich hätten wir es cool gefunden wenn es direkt einen Headsetständer samt Ladeslots für die Akkus gegeben hätte, aber die vorliegende Lösung ist dafür sehr schlank.
Design und Verarbeitung
Das schlicht gestaltete Glorious GHS Wireless InfinitePlay Headset ist überwiegend schwarz mit grauen Logos. Lediglich am Kopfband und in den Innenseite der Hörer findet man Glorious-typische orangene Akzente. Insgesamt sieht es dem günstigen Eternal-Headset sehr ähnlich, auch vom Material her.

Den Eindruck, dass man hier ein immerhin über 200€ teures Headset vor sich hat, kann das GHS Wireless InfinitePlay daher eher nicht hervorrufen. Auch nicht wenn es über 350 g wiegt. Es besteht vollständig aus Kunststoff, der bei der matten Oberfläche der Rückseiten der Hörer aber immerhin weniger kratzempfindlich ist als beim günstigeren Modell.
Die Drehgelenke sind sehr leichtgängig und bewegen sich beim Hantieren selbstständig was dann recht schlabbrig wirkt. Vor allem dass auch der verstellbare Bügel aus Plastik besteht, stört uns etwas. Hier darf man bei dem Preis sicher ein Metallband erwarten.

Am rechten Hörer sieht man den Einschub für den Akku. Dabei handelt es sich wie bei SD-Karten um Slots mit Federung.
Genutzt werden kann das InfinitePlay auf drei Arten: Funk via USB-Dongle, Bluetooth und Kabel.
Tragekomfort und Bedienung
Für den Tragekomfort sind an den Hörern mit Memory Foam gefüllte Polster zuständig, die mit einem textilen Bezug umhüllt sind. Polster und Bezug sind identisch zum Eternal. Man kann sie abnehmen, auch hier entsteht kein besonders hochwertiger Eindruck, sie sind aber bequem und im vorliegenden Fall auch ausreichend dimensioniert. Das vom Bügel separierte Kopfband ist ebenfalls gepolstert und sorgt dafür, dass der Kopf gar nicht erst mit harten Materialien in Kontakt kommt. Die Weite ist jeweils ca. 2.5 cm verstellbar.

Das Gelenke der Hörer sind wie gesagt sehr leichtgängig. Zusammen mit dem nach unserem Empfinden eher schwachen Anpressdruck sitzt das Headset dann einerseits nicht forsch, aber auch nicht sehr sicher. Hastige Kopfbewegungen führen zum Nachschwingen und Rutschen. Etwas erhöhte Wärmeentwicklung und leichtes Schwitzen an den Ohren waren feststellbar, nicht aber so stark wie bei Kunstleder.
An beiden Hörern finden sich Drehregler aus Metall mit Druckfunktion, die entsprechend robust wirken. Links schaltet man das Headset ein/aus und steuert via ChatMix die Balance von Medienwiedergabe und Chat. Ein kurzer Druck aktiviert die Akkuzustandsansage (die lediglich sagt ob der Akku „ok“ ist). Ein doppelter Druck mit anschließendem Drehen ermöglicht die Profilwahl. Dazu gibt es noch einen Knopf, der das Mikrofon deaktiviert, das mangels Gelenk kein Flip to Mute bietet. Eine rote LED am Mikrofon zeigt an, dass es stumm ist.

Rechts steuert man mit dem Regler die Gesamtlautstärke des Headsets, die unabhängig vom angeschlossenen PC reguliert wird. Das ist tatsächlich etwas umständlich, da man so drei Regler zur Beeinflussung der Lautstärke hat, wobei der des Systems recht wenig Einfluss hat. Ein Signalton gibt an, wenn man das Maximum erreicht hat.
Hier agiert der Druck als Play/Pause und für Track vor/zurück. Auch auf der Seite gibt es noch einen weiteren Button mit dem zwischen Bluetooth und Funk gewechselt wird.
Das Bedienschema ist also recht voll, lässt sich mit etwas Übung aber beherrschen. Position und Dimensionierung der Elemente führten bei uns aber häufiger zum versehentlichen Drücken beim Auf- oder Absetzen und es nervt dann schon, wenn man aus Versehen den Verbindungsmodus umschaltet.
2+1 Akkus für unterbrechungsfreien Betrieb
Zwei Akkus mit je 1280 mAh werden mitgeliefert. Ein Akku hält laut Glorious für bis zu 85 Stunden, ohne eine genauere Angabe zum Modus und weiteren Details zu machen. Wir haben das Headset ca. 7 Stunden auf gehobener Lautstärke und 2.4 GHz spielen lassen bis die Anzeige in der Software von 100% auf 90% gewechselt ist. Eine weitere gröbere Statusanzeige hat man mittels farbiger LED.

Geht ein Akku zur Neige kann er blitzschnell getauscht werden. Es muss dafür keine Klappe geöffnet werden. Man nimmt den leeren Akku heraus und schiebt den neuen rein, fertig. Dabei muss man nicht mal auf die Ausrichtung achten (außer natürlich unten und oben).

Das Geniale: Zusätzlich zu den beiden Akkus ist noch ein dritter im Headset verbaut, der es am Laufen hält während man den Akku wechselt. Somit ist auch kein Ausschalten erforderlich und das Headset macht dem Begriff „Infinite“ alle Ehre. Der integrierte Akku hält für bis zu drei Stunden, sodass man nach dem Ausfall des eingesetzten Akkus genügend Zeit hat und InGame erstmal in Deckung gehen kann. Neben dem nahtlosen Übergang hat das externe Laden noch den Vorteil, dass man nie auf das Kabel zurückgreifen muss. Der integrierte Akku wird von den Hauptakkus direkt wieder aufgeladen. Angeschlossen per Kabel haben wir vereinzelt elektrisches Fiepen wahrgenommen.

Weiterhin praktisch ist, dass die Ladestation auch direkt einen Einschub für das Wireless-Dongle hat, und man so nicht zwei USB-Anschlüsse belegen muss.
Klang
Verbaut sind in dem Glorious GHS Wireless InfinitePlay wie oft üblich 40-mm-Treiber, die einen Frequenzbereich von 20 bis 20.000 Hz umfassen und in diesem Fall angewinkelt sind. Der Klang lässt sich über die Glorious Core Software anpassen, die wir uns weiter unten anschauen.

Die Isolation ist eher schwach. Trotz geschlossener Bauweise hört man Umgebungsgeräusche weiterhin deutlich und die Umgebung hört andersherum auch schnell mit. Ein ANC-Feature gibt es nicht.
Folgende Klangeindrücke sind wie immer subjektiv!
Klanglich schlägt sich das Headset in der Standardabstimmung doch recht solide. Die befürchtete übermäßige Bassbetonung konnten wir bei moderaten Pegeln nicht ausmachen. Hört man lauter kommt der Bassbereich zunehmend etwas stärker zur Geltung. Gleichzeitig muss man aber im Tiefbassbereich fehlende Kraft erkennen, was sich mit Anheben dieser Bereiche etwas verbessern lässt. Gerade bei druckvollen Tiefbasspassagen fehlt es uns etwas an Tiefgang und körperlichem Druck, wodurch Explosionen oder andere tieffrequente Effekte nicht ganz so wuchtig wirken. Sicher spielt dabei auch die Abdichtung des jeweiligen Sitzes eine Rolle. Eine reine Verstärkung im Oberbass empfinden wir nicht als gewinnbringend, da es dann schnell dumpf wird. Mitten und Höhen sind ausgewogen wobei das Klangbild auf uns leicht kühl beziehungsweise etwas nüchtern wirkt. Die Ortung gelingt damit gut, auch wenn die Räumlichkeit etwas kompakt ausfällt. Für Musik bevorzugen wir ein etwas lebendigeres Klangbild. Wie gesagt kann der Klang per Software aber noch verändert werden.
Die maximale Lautstärke könnte gern etwas höher sein, denn wir haben uns dabei erwischt wie wir nochmal an allen bereits auf Maximum gestellten Reglern gedreht haben, unabhängig davon ob das ratsam ist. In der Software gibt es einen Volume Boost, der allerdings ausgegraut ist.
Man kann jedoch mehr Lautstärke rausholen, indem man im Custom-EQ die Frequenzen anhebt. Man muss dann zunehmend auf Verzerrungen achten, aber hier wird klar, dass das Headset eigentlich mehr Pegel kann. Es kam aber mehrfach vor, dass beim Rumspielen mit dem Custom-EQ die Lautstärke plötzlich deutlich erhöht oder extrem abgesenkt wurde.
Neben dem ansteckbaren Mikrofon gibt es noch ein internes, das übernimmt, wenn das andere nicht eingesteckt ist. Die Qualität vom internen Mikro ist aber hörbar schlechter. Während das Ansteckmikrofon klar klingt und sich gut für Gespräche eignet, klingt das fest verbaute nicht nur entfernter sondern auch deutlich dumpfer. Als Notlösung reicht es.
Glorious Core-Software
Die Software erstreckt sich über vier Einstellungsseiten und ermöglicht auch Firmware Updates, was bei uns mehrere Anläufe benötigt hat. Sie zeigt zudem den aktuellen Akkustand an (10%-Schritte).

Während die erste Seite vorrangig die Profile auswählt, geht es auf der zweiten um die Mikrofoneinstellungen. Lautstärke, Sideton und ENC lassen sich auswählen.

Wirklich spannend wird es auf Seite drei, wo es den Equalizer samt Voreinstellungen gibt. Die vordefinierten Kurven wirken sich zwar hörbar auf den Klang aus, übertreiben es aber nicht. Im Musik Modus kommt der Klang etwas lebendiger rüber, der Bass erhält eine moderate Verstärkung, ebenso die Höhen. Der Immersionsmodus intensiviert das nochmal und erhöht Oberbass/untere Mitten deutlicher, was mehr Präsenz, Fülle und Wärme mit bringt, aber auch dumpfer klingt. Die Settings für konkrete Spiele greifen mitunter extrem in den Klang ein.

Man kann auch zwei eigene Equalizer erstellen. Hier gibt es zwar nur 5 Punkte, diese lassen sich aber umfangreich anpassen wie z.B um den Q-Faktor.


Auf der letzten Seite kann man noch System-Einstellungen festlegen, wie zum Beispiel Auto-Off oder ein Reset durchführen. Etwas nervig ist, dass nach einem Neustart die Lautstärke wieder auf 50% geändert wird. Laut Glorious ist das so gewollt.
Fazit
Die Möglichkeit den Akku des Headsets zu wechseln ist sehr praktisch und das Glorious GHS Wireless InfinitePlay macht das auf geniale und möglichst praktische Art und Weise. Nicht nur, dass man den Akku ohne Öffnen irgendeiner Klappe sehr schnell wechseln kann, sondern auch dass ein integrierter weiterer Akku in der Zeit das Headset am Laufen hält ist klasse. Unterbrechungsfreiem Gaming oder Musikhören steht damit nichts im Wege und die Bezeichnung „Infinite“ ist gerechtfertigt. Gut, man könnte sicher argumentieren, dass man mit einem Akku bereits mehrere Tage auskommt und zwischendurch laden kann, aber vermutlich kennt es jeder, dass man das Aufladen eben doch vergisst. Ein Akku kann immerhin auch kaputt gehen und hier hätte man dann direkt Ersatz. Ausdauernd zeigt sich das Headset auch beim Tragekomfort, sitzt dafür aber tendenziell etwas locker.
Klanglich schlägt sich das Headset solide. Nicht überragend, aber es macht schon eine ordentliche Figur und Anpassungen sind über die Core-Software möglich, die stellenweise aber noch nicht perfekt ist.
Auch wenn wir den Preis von über 200€ aufgrund des Akkusystems irgendwie nachvollziehen können und es deutlich teurere Lösungen mit diesem Feature gibt, empfinden wir den Qualitätseindruck des Headsets dem Preis nicht als angemessen. Über die tatsächliche Haltbarkeit können wir uns natürlich kein Urteil bilden.
Wir haben das Produkt vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Test oder die Wertung fand nicht statt.





