
Als Tester hat man zig Gehäuse in den Händen, manchmal sind aber welche dabei, auf die man sich doch mehr freut und die man einfach mal wieder spannend findet. Das Antec Flux Pro in der Noctua Edition ist genau so eins. Die hohen Erwartungen hat es durchaus erfüllt, schmerzt aber im Portemonnaie.
Technische Daten
| Maße (HxBxT) | 545 x 245 x 430 mm |
| Material | Stahl, Glas, Kunststoff |
| Mainboard-Format | ATX, M-ATX, Mini-ITX |
| Anschlüsse Front | 1x USB 3.2 Gen.1 Type-C (10 Gbit) 2x USB 3.0 Type-A Audio |
| max. CPU-Kühler-Höhe | 190 mm |
| max. Grafikkarten-Länge | 455 mm |
| Laufwerke | 2x 2.5″ 4x 3.5″/2.5″ |
| Vorinstallierte Lüfter (mm) / (U/min) | Front: 3x NF-A14x25 G2 Heck: 1x NF-A14x25 G2 Drehzahl: 0-1500 U/min PSU-Cover: 2x NF-A12x25 G2 Drehzahl: (0-1800 U/min) |
| Maximale Lüfterinstallation (mm) | Front: 3x 120/140 Heck: 1x 120/140 Deckel: 3x 120/140 Boden: 2x 120/140 PSU-Cover: 3x 120 |
| Optionale Radiatoren | Deckel: 120 / 140 / 240 / 280 / 360 / 420 Front: 120 / 140 / 240 / 280 / 360 / 420 Rückseite: 120 / 140 PSU-Cover: 120 / 240 / 360 Boden: 120 / 240 |
| RGB-Beleuchtung | nein |
| Lüftersteuerung | PWM-Hub |
| Preis | Amazon.de: € 399,90* |
Angebote
Antec Flux Pro Noctua Edition
Lieferumfang
Dass dies ein außergewöhnliches Produkt ist, sieht man schon beim Auspacken, oder wie man heutzutage sagt, beim „Unboxing“. Es gibt gleich zwei Pakete mit Zubehör. In einem großen Karton befinden sich die Noctua-Lüfter, die man nämlich noch selbst einbauen muss. Darin noch ein kleines Schächtelchen mit Lüfterschrauben und Entkopplern.

Vier Noctua NF-A14x25 G2 (zwei PPA und zwei PPB, also mit Offset) und zwei Noctua NF-A12x25 G2 (ebenfalls PPA/PPB) liegen bei, die bei Einzelkauf auf über 200 Euro kommen und somit den enormen Gesamtpreis des Gehäuses erklären, aber nicht weniger schmerzhaft machen: ~400 € kostet es.

In einem weiteren Paket gibt es Schrauben samt Sortierkästchen, einen kleinen Schlüsselanhänger in Form eines 40-mm-Lüfters, Abdeckungen für Lüfterplätze und einen alternativen Netzteilrahmen und ein Stück Walnussholz.
Selbst die Anleitungen wollen erwähnt werden, weil sie einerseits für das Gehäuse recht umfangreich ist und andererseits wird in einer weiteren die empfohlene Montage der Lüfter erläutert. Weiterhin gibt Noctua auf der Homepage Tipps rund um die Lüftereinstellungen und Ergänzungen weiterer Lüfter. Das ist nicht selbstverständlich und macht die „Noctua Edition“ zu mehr als nur etwas Branding.
Antec Flux Pro Noctua Edition im Detail

Das Gehäuse selbst ist im Grunde ein Antec Flux Pro mit teilweise angepasstem Design. Man findet auf dem Frontrahmen aus echtem Walnussholz eine entsprechende Gravur, die Scheibe hat einen Noctua-Schriftzug und die Lüftergitter an der Seite sowie der Deckel sind in zu Noctua passendem Braun gehalten, das hier sogar unerwartet stimmig wirkt und eine nette Abwechslung zu Schwarz und Weiß darstellt. Die Verarbeitung wirkt sehr ansprechend und hochwertig.

Mit 245 x 545 x 530 mm ist das Case ziemlich groß. Die Meshfront hat ein erhabenes Muster und lässt etwas an das Meshify denken ohne dessen Facettenfront zu kopieren. Das Gitter ist aus Metall, die Unterkonstruktion besteht aus Kunststoff.
Der dahinterliegende Montagerahmen für die Lüfter kann stufenweise in der Höhe versetzt werden. Damit können Deckel- und Frontradiatoren in Einklang gebracht werden, man verbaut damit aber ggf. die Kabeldurchführungen für die Frontlüfter an den Seiten.

Die linke Seite ist aufgeteilt in das Teil aus Glas und einem schmalen Lüftergitter darunter, die sich getrennt entfernen lassen. Auch die rechte Stahlseite hat ein Lüftergitter, besteht jedoch aus einem einzelnen Teil.

Vorn an der Seite ist noch eine kleine Anzeige integriert auf der die CPU- und/oder GPU-Temperatur angezeigt werden kann. Dies wählt man per Knopfruck am I/O-Panel aus. Voraussetzung ist ein interner USB 2.0-Anschluss und die Installation der Antec iUnity-Software. Das ist ganz nett, aber tatsächlich hätten wir das jetzt nicht unbedingt gebraucht. Wer für das große Gehäuse keinen Platz auf dem Tisch hat, sieht davon ohnehin kaum etwas.

Das I/O-Panel punktet mit Gummieinsätzen, die als Staubschutz fungieren. Kritik muss sich der USB-C-Anschluss gefallen lassen, der „nur“ 10 GBit bietet. Ansonsten gibt es zweimal USB 3.0 Typ-A, Audio, einen Power- sowie Resetbutton und den erwähnten Button für das Display.

Auch im Innenraum findet man braune Noctua-Akzente, ansonsten ist er schwarz. Die chromax.black-Lüfter würden also auch toll passen, mit den braun-beigen Noctua-Lüftern wird es aber spezieller. Die gelochte Seitenwand lässt sich einfach entnehmen und gibt Zugriff auf das Fach darunter. Das Tray verrät, dass es keine Unterstützung für Back-Connect-Mainboards gibt. CPU-Kühler haben mit max. 190 mm keine relevante Grenze und auch Grafikkarten steht mit 455 mm viel Platz zur Verfügung.

Auf dem Netzteiltunnel gibt es drei Lüfterplätze, von denen einer abgedeckt ist, da ja „nur“ zwei 120-mm-Lüfter für diese Position beiliegen. Die übrigen Abdeckungen gibt’s im Lieferumfang. Zur Vorderseite gibt es ca. 6 cm Platz für einen möglichen Radiator in der Front (bis 420-mm-Format), aber eigentlich sind dort die drei 140-mm-Lüfter für Frischluft vorgesehen.
Auch der Deckel bietet eine Menge Platz. Dort würden sich drei 120/140-mm-Lüfter oder ein 360/420-mm Radiator montieren lassen. Der Abstand zum Mainboard ist mit gut 7cm ausreichend groß. Das Deckelelement ist lediglich angesteckt und kann einfach abgezogen werden. Das Gehäuse ermöglicht trotz zwei 420-mm-Radiatorplätze maximal einen 420-mm- und einen 360-mm-Radiator gleichzeitig. Details dazu findet man auf der Produktseite.
Einen klassischen Staubfilter findet man nur am Boden, er kann nach vorne herausgezogen werden. Es können nicht nur Lüfter auf dem PSU-Cover, sondern auch direkt auf dem Boden verbaut werden.

Während man in der Hauptkammer noch selbst Hand anlegen und die Lüfter einbauen muss, ist die Verlegung der Lüfterkabel an die entsprechenden Stellen auf der Rückseite bereits perfekt vorgenommen worden. Ausgehend von dem kleinen PWM-Hub von Noctua wurden, sofern nötig, Verlängerungskabel gelegt, sodass jeder Lüfter direkt eine Verbindung zum Hub findet und man zumindest diese Kabel nicht verlegen muss.

Der Hub benötigt lediglich noch einen SATA-Stromanschluss, der durch den HDD-Käfig darunter etwas verbaut ist. Die Platine kann dank magnetischer Rückseite aber einfach verschoben, oder der Käfig entfernt werden. Das sonstige Kabelmanagement ist nicht außergewöhnlich aber gelungen und zweckdienlich: Es gibt Klettkabelbinder an den üblichen Positionen und genügend Platz. Die Silikondurchführungen für die Kabel sind etwas weich und flattern teilweise sichtbar im Luftstrom des Gehäuses.


Eine Besonderheit gibt es jedoch beim Netzteil-Einbau. Dieses kann konventionell eingebaut werden (Blende im Lieferumfang) oder um 90 Grad gedreht, damit die Anschlüsse zur rechten Seite zeigen und so einfacher erreichbar sind. Dann wird der Kaltgerätestecker einfach mit einem Verlängerungskabel zu der Werksblende gelegt. Die verschiedenen Montagemöglichkeiten je nach Netzteillayout zeigt das Handbuch.

Bei den Lüftern hat man die Wahl zwischen den Anti-Vibrations-Befestigungen aus Silikon oder Schrauben. Noctua empfiehlt ersteres. Die Entkoppler ragen recht weit durch die Lüfter, was nicht unbedingt elegant aussieht. Natürlich lassen sich diese kürzen, dabei sollte man allerdings nicht zu viel abschneiden, sonst wird es bei folgenden Montagen schwer sie durch die Löcher zu ziehen. Wir haben an dieser Stelle darauf verzichtet. In der Anleitung steht an welche Stelle ein PPB- und ein PPA-Lüfter soll.

Aufgrund der Platzverhältnisse ist der sonstige Einbau sehr einfach und ohne Komplikationen durchgeführt. Der untere Laufwerkskäfig kann variabel verschoben oder auch entfernt werden. Dort findet sich dann auch noch die weitere Möglichkeit Lüfter zu verbauen. Theoretisch kann der Käfig auch auf die Netzteilabdeckung gesetzt werden, das sieht aber wenig ansprechend aus.

Eine GPU-Stütze für lange, schwere Grafikkarten gibt es nicht. Die wäre im passenden Design noch ein schönes Zubehör gewesen. Vertikal kann eine Grafikkarte nur mit optionalem Zubehör eingebaut werden.
Temperaturen und Lautstärke im Antec Flux Pro Noctua Edition
Testsystem und Ablauf
- AMD Ryzen 5800X @ 100W
- be quiet! Dark Rock Slim
- MSI B550 Gaming-Plus
- Zotac GeForce RTX 3080 12 GB Trinity OC
- 16 GB DDR4-RAM Corsair Vengeance RGB
- be quiet! Straight Power 12 750W
Als Software dienen prime95 (12k ohne AVX) für die CPU und MSI Kombustor für die GPU. Jeder Testlauf ging 10-Minuten nach einer Aufwärmzeit von 30 Minuten. Die Werte sind der jeweilige Durchschnittswert dieser 10 Minuten, normiert auf 20 Grad Raumtemperatur. Für die Messung bei gleichem Schalldruck werden die Gehäuselüfter auf 36 dB(A) reguliert (30 cm Abstand schräg von vorn). CPU-Lüfter und Grafikkartenlüfter werden auf 36 und 40 dB(A) fixiert. Die Gehäuse wurden jeweils zweimal gemessen und der Durchschnittswert beider Durchgänge genommen.
Hinweis: Solche Temperaturbeobachtungen unterliegen natürlich Variablen und Toleranzen und lassen sich auch nicht 1:1 auf andere Systeme übertragen! Neben der erreichten Abwärme spielen auch die verwendeten Kühllösungen eine Rolle.
Maximale Drehzahl
Besonders gespannt sind wir natürlich auf die Lüfter, die Lautstärke und die Temperaturen.
Bei maximal 1500 U/min der NF-A14x25 G2 respektive 1800 U/min bei den NF-A12x25 G2 kann das System durchaus laut werden. Dabei dominiert das Lüfter- und Windgeräusch und über den gesamten Drehzahlverlauf kommt es an keiner Stelle zu störenden Nebengeräuschen. Weit gedrosselt wird es extrem leise und absolut silenttauglich ohne Lagergeräusche.
Wie bei unserem System schon häufiger gesehen führt die Kombination aus Bodenlüftern und Frontlüftern zu extrem guten Temperaturen bei der Grafikkarte und hier zu einer guten, aber nicht so phänomenalen CPU-Temperatur. Vermutlich da ein Teil der warmen Luft der Grafikkarte von den kräftigen NF-A12x25 G2 nach oben gedrückt wird. Grund zu meckern gibt es aber nicht: Auch die CPU ist richtig kühl, nur eben nicht so sensationell.
Die Grafikkarte kam wieder auf den Wert von 61,X Grad, was nach unserer Erfahrung das untere Limit darstellt, dass wir erreichen können.
Wir haben zusätzlich noch die von Noctua empfohlene Ergänzung eines vorderen Deckellüfter als Intake, also einblasend, ausprobiert. Tatsächlich sank die CPU-Temperatur damit etwas, die Grafikkarte wurde allerdings entsprechend wärmer. Beides sind tolle Werte. Wir haben dazu allerdings nur jeweils eine Messung durchgeführt und zeigen damit lediglich eine Tendenz.

Kühlleistung bei angepasster Lautstärke
Bei angepasster Lautstärke haben wir ein ähnliches Bild. Die CPU blieb kühl, die Grafikkarte erreichte erneut einen Topwert, auch wenn andere Gehäuse aufschließen können! Hier brachte der zusätzliche Deckellüfter einen spürbaren Bonus bei der CPU. Diese wurde in der einen Stichprobe deutlich kühler, erneut stieg die GPU-Temperatur leicht, dem RAM war es egal.

Fazit
Das Antec Flux Pro Noctua Edition ist ein tolles und in vielen Bereichen sehr gelungenes Gehäuse. Die spezielle Noctua Edition rundet die gute Basis dabei ab und gibt ihr das gewisse Etwas. Im Mittelpunkt natürlich die zahlreichen, tollen Lüfter, die einerseits für eine sehr gute Kühlleistung sorgen und eine hervorragende Laufruhe ermöglichen, aber auch einen wesentlichen Teil des enormen Preises von fast 400€ ausmachen. Dazu ist die Noctua Edition farblich geschmackvoll abgestimmt, die braunen Akzente passen gut zu dem Walnussholz. Der integrierte Hub samt ab Werk verlegter Lüfterkabel und die Tipps auf der Homepage sind ein i-Tüpfelchen.
Das Gehäuse selbst punktet durch eine saubere Verarbeitung, massig viel Platz und bringt zudem ein paar gute Features mit. Damit meinen wir das drehbare Netzteil für mehr Komfort, die mögliche Platzierung von Lüftern auf und im Netzteilschacht sowie der versetzbare Frontrahmen um den Platz für Radiatoren optimal nutzen zu können. Auch das Display darf man erwähnen, wobei wir auch ohne glücklich gewesen wären und es die Installation einer Software nötig macht.
Objektivere Kritikpunkte sind mit Sicherheit das Fehlen von Support für Back-Connect-Mainboards und dass der USB-C-Port nur 10 GBit bietet. Auch hätte eine Grafikkarten-Stütze enthalten sein können.
Damit lässt sich als Abschluss wie bei Noctua-Produkten oft festhalten, dass der Preis zwar sehr hoch ist und eine allgemeine Empfehlung schwer macht, aber das Gehäuse ist eben auch sehr gut. Wer bereit ist das auszugeben, findet mit dem Antec Flux Pro Noctua Edition ein super Gesamtpaket mit 6 Jahren Garantie. Noctua-Fans dürften ohnehin glücklich werden.
Wir haben das Produkt vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Test oder die Wertung fand nicht statt.







