
Mit der Sound Blaster AE-X von Creative schauen wir uns heute mal wieder eine interne Soundkarte an, die zu einer scheinbar aussterbenden Produktkategorie gehört. Nach der Budget-Soundkarte Creative Sound Blaster Audigy FX Pro, geht’s mit der Sound Blaster AE-X nun in eine höhere Klasse.
Technische Daten
| Abmessungen | 179 x 126 x 18 mm |
| Schnittstelle | PCIe 1x |
| Wiedergabeauflösung | PCM 32-bit / 384kHz |
| Dynamikbereich | 130dB |
| THD+N: | 0.0001% |
| Anschlüsse | -digitalen Toslink SPDIF-Eingang -Koaxial SPDIF-Ausgang -RCA Line-Out (Links) -RCA Line-Out (rechts) -3,5-mm-Kopfhörerausgang -3,5-mm Mic/Line-In |
| Kopfhörerverstärker (hinten) | -32–600 ohm -max. Ausgangsleistung: 350mW @ 32Ω (Hoch), -max Ausgangsspannung: 6Vrms (Hoch) |
| Kopfhörerverstärker (Front) | – 32–300Ω, – max.Ausgangsleistung: 40mW @ 32Ω – max Ausgangsspannung: 1.9Vrms |
| Software | Creative Nexus App |
| Sonstiges | -ASIO 2.3 -DSD256 |
| Preis | Amazon.de: € 171,20* |
Angebote
Creative Sound Blaster AE-X im Detail
Der Lieferumfang ist nicht üppig, aber immerhin gibts ein Splitterkabel. Die Präsentation der Karte ist hingegen unverkennbar „Premium“. Hat man bei der Sound Blaster Audigy FX Pro noch eine kleine, nackte Platine bekommen, sieht man nun eine Soundkarte im größeren Format, die von einem optisch ansprechenden Gehäuse abgedeckt wird. Das weiße Metall-Gehäuse mit grau/schwarzen Akzenten suggeriert optisch direkt, dass man hier etwas Gehobenes erwarten darf.

Das Design wirkt einerseits hochwertig, andererseits nicht zu verspielt und es gibt auch keine Beleuchtung oder kräftigen Farben, weshalb sich die Karte optisch gleichermaßen in Gaming-Systeme aber auch in zurückhaltend gestaltete Systeme einfügt.

Die Rückseite der Karte wird allerdings nicht abgedeckt. Angeschlossen wird die Sound Blaster AE-X einzig über den PCIe-Slot, über den sie auch ihren gesamten Strom bezieht. Eine gesonderte Stromversorgung ist nicht erforderlich.

Der Anschluss an der langen Seite der Karte ist für die Frontanschlüsse im Gehäuse, was bedeutet, dass man das Kabel ziemlich prominent durch das Sichtfeld ziehen muss. Hier hätte man wohl auch eine etwas dezentere Position am Ende wählen können.


Die Sound Blaster AE-X bietet an ihrer Slotblende folgende Anschlüsse:
- digitalen Toslink SPDIF-Eingang
- Koaxial SPDIF-Ausgang
- RCA Line-Out (Links)
- RCA Line-Out (rechts)
- 3,5-mm-Kopfhörerausgang
- 3,5-mm Mic/Line-In
Damit liegt der Fokus auf Stereosysteme sowie Kopfhörer. Die Sound Blaster AE-X richtet sich also nicht, anders als die Audigy FX Pro, an Surround-Systeme, die ohnehin rar geworden sind im PC-Bereich.

Die Abdeckung hat man mit lediglich vier Schrauben schnell entfernt und kann auf die verbauten Komponenten schauen.

Verbaut ist ein SABRE ESS ES9039Q2M DAC, den man schnell auf der Platine findet. Die Sound Blaster AE-X unterstützt Wiedergabe mit bis zu 32 Bit/384 kHz und der Dynamikbereich wird mit sehr hohen 130db angegeben. Das spezifiziert sie dahingehend minimal über der AE-9 und an der Spitze der (wenigen) derzeit noch auf geizhals.de gelisteten internen Soundkarten. Dafür handelt es sich allerdings nur um einen 2-Channel DAC. Unterstützt werden zudem DSD256-Wiedergabe und die AE-X bietet ASIO 2.3 für geringe Latenzen

Der Xamp Kopfhörerverstärker liefert bis zu 350mW @ 32Ω und sollte damit in der Lage sein auch anspruchsvollere Kopfhörer adäquat anzutreiben. Spezifiziert wird eine Unterstützung für Kopfhörer von 1 bis 600 Ohm. An der Frontblende sind es übrigens lediglich 40mW @ 32Ω. Die maximale Ausgangsspannung liegt dort bei 1.9Vrms, während der Anschluss an der Karte selbst bis 6Vrms bietet.
Weitere schnell zu identifizierende Bauteile auf der Karte sind ein ASM3042 sowie ein Realtek ALC4082. Was im Gegensatz zu der AE-9 nicht geboten wird sind austauschbare Operationsverstärker, was Enthusiasten dann vielleicht vermissen könnten.
Praxiseindruck: Klang und Nexus-Software
Ein wesentlicher Teil einer Soundkarte ist nicht nur ihre Klangqualität, sondern auch eine Software, die Anpassungen und Optimierungen ermöglicht, sowie für ein gutes Handling sorgen soll. Hier kommt die Creative Nexus-Software ins Spiel, die wir bereits kennengelernt haben. Diese hat an unserem System leider die Unart, dass man Online sein muss, sonst lädt die Startseite nicht und die Soundkarten-Optionen sind nicht verfügbar.
Puristen wählen den „Direktmodus“. Mit dem gibt es keine Eingriffe durch die Software. Die Klangoptionen findet man im Menü „Acoustic Engine“, wo es wiederum unterschiedliche Möglichkeiten und Funktionen gibt.

Als erste, sehr geläufige Option hat man einen 10-Band-Equalizer, mit dem man den Frequenzverlauf selbst genau einstellen kann. Zur Orientierung sind die Bereiche beschriftet. Bis zu 10 Punkte lassen sich frei auf der Kurve definieren. Mit dem Q-Factor kann die Breite der Anpassung verändert werden. Somit sind detaillierte Anpassungen möglich.


Dort gibt es neben der manuellen Anpassung zwei weitere interessante Optionen: Erstens findet man voreingestellte Profile für bestimmte Einsatzzwecke (Musik, Film, Gaming) sowie für Genres, aber auch für ganz konkrete Spiele wie z.B. Battlefield 6. Die Anzahl ist extrem groß und lädt zum ausprobieren ein.

Daneben und aufgrund der immensen Anzahl an Einträgen beinahe erschlagend findet man die integrierte AutoEQ-Datenbank. Dazu muss man online sein und den Reiter „Kopfhörer“ ausgewählt haben. Hier kann man, sofern verfügbar, seinen Kopfhörer auswählen und diesen (auf Basis der Messungen in der Datenbank) auf eine wählbare Zielkurve einstellen. Unter dem Modellnamen findet man auch die Angabe woher die Messung kommt.

Unter dem Equalizer findet man die eigentlichen als Acoustic Engine bezeichneten Funktionen:
- Surround: Mehrkanal Simulation für räumlichen Klang
- Crystalizer: Erhöht Auflösung, was zu scharfen Höhen führen kann
- Bass: Steuerung des Bass und des Übergangs
- Smart Volume: Reduzierung von Lautstärkeunterschieden
- Dialog+: Verstärkt Sprache
Dass Schöne ist, dass man diese Klangverbesserer/Anpassungen sehr fein einstellen und man diese einfach mal subtil antesten kann, selbst wenn man solchen Funktionen skeptisch gegenüber steht.
Darunter findet man die Mixer Funktionen und es gibt zudem noch den „Scout Modus“, der Ortung in Spielen verbessern kann/soll.
Auch das Mikrofon kann konfiguriert werden. Die Optionen erscheinen nur, wenn auch eines angeschlossen ist. Neben Rauschunterdrückung und Equalizer findet man auch die unterhaltsame Option des Voice Morphs und kann die Stimme damit variantenreich verändern.

Recht umfangreich ist auch der Teil „erweitert“. Dort kann man die physischen Anschlüsse für unterschiedliche Zwecke zuordnen/einstellen. Zudem lassen sich digitale Filter für die digitale-analoge Signalumwandlung wählen, was Enthusiasten interessant finden dürften. Man kann hier außerdem die Leistung des Kopfhörerverstärkers in vier Stufen einstellen. Die Umstellung zwischen „Kopfhörer“ und „Line-Out“ wird, genau wie der Start des Systems, von einem Klicken begleitet. Leider muss man immer in dieses Untermenü, um zwischen den Anschlüssen umzuschalten. Hier wäre ein Button auf der Startseite doch wünschenswert.

Ohne aktive Klangoptionen spielt die Sound Blaster AE-X neutral, ohne verändernd oder effekthascherisch in das Klangbild einzugreifen. Kein aufgeblähter Bass und auch andere Färbungen fallen nicht auf, was auch der lineare Frequenzgang mittels simplem Loop bestätigt. Somit ist dies eine Option per Software, die einem aber nicht aufgezwungen wird, um einen besonders tollen Klang zu suggerieren.
Der potente Kopfhörerverstärker macht beim erreichten Pegel sofort klar, dass er deutlich mehr Leistung liefert als unser Onboard-Sound oder die kürzlich getestete Sound Blaster Audigy FX Pro. Der von uns verwendete OneOdio Monitor 80 mit 250 Ohm erreicht mit der Sound Blaster AE-X eine klar höhere Lautstärke als mit der Audigy FX Pro.
Das Klangbild erscheint gleichermaßen klar und sauber wie spielfreudig. Der Klang macht einen lebendigen Eindruck, der zugleich druckvoll aber auch fein in der Detaildarstellung ist. Wirkliche Klangunterschiede zur Audigy FX Pro möchten wir in dem gegeben Fall aber nicht attestieren. Man könnte meinen, dass es mit der AE-X etwas energetischer und plastischer klingt, aber Suggestion spielt da sicher auch eine Rolle. Der grundlegende Klangcharakter ist bei beiden identisch. Die Unterschiede sind natürlich auch maßgeblich eine Frage des vorhandenen Equipments, also der Kopfhörer und Lautsprechern sowie der Quelle und dem Gehör. Leider steht uns kein Messequipment zur Verfügung.
Fazit
Die Creative Sound Blaster AE-X hat einen guten Eindruck hinterlassen, ist aber sicher nicht das richtige Produkt für jeden. Generell ist die Zeit interner Soundkarten scheinbar vergangen und so hat es die AE-X mit ordentlichen Onboard-Lösungen aktueller Mainboards oder hochwertigen externen DACs für gehobene Ansprüche sicher schwer, trotz aller Qualitäten, die sie mitbringt.
Die AE-X ist auf Nutzer zugeschnitten, die Stereosysteme bzw. Kopfhörer verwenden, die die Qualitäten der Sound Blaster AE-X abrufen können und/oder einen kräftigen Kopfhörerverstärker erfordern. Absolute Enthusiasten werden mangels austauschbarer Komponenten, wie die AE-9 oder einige externe Geräte sie bieten, wiederum nicht abgeholt. Im Gegensatz zur AE-9 bietet sie auch keine Anschlussmöglichkeiten für XLR-Mikrofone und Phantomspeisung. Auch Nutzer von Surround-Systemen sind nicht Zielgruppe der Sound Blaster AE-X.
Die Nexus Software ermöglicht viele Anpassungen. Neben dem sehr umfangreichen Equalizer samt Profilen, sind auch die weiteren Acoustic-Engine-Funktionen ein Versuch wert, vor allem da man sie sehr fein einstellen kann. Aber auch Puristen werden glücklich. Die Umschaltung der Anschlüsse sollte aber über eine direkt erreichbare Option auf der Startseite und nicht erst im Untermenü möglich sein. Zudem störte, dass die Nexus Software ohne Internetverbindung beim Start leer blieb.
Einen Award und eine explizite Empfehlung vergeben wir an dieser Stelle nicht, da wir letztlich keine Möglichkeiten haben detaillierte Messwerte der Soundkarte zu liefern, um den Mehrwert der AE-X objektiv zu untermauern. Dennoch ist unser Eindruck überwiegend positiv.
Wir haben das Produkt vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Test oder die Wertung fand nicht statt.





