
Noctuas AiO-Einstand war/ist sicher ein besonderer. Es wurde viel geschrieben, lange gespannt gewartet und die Testergebnisse waren mehr als vielversprechend. In diesem Test machen wir uns ein eigenes Bild von der Noctua NL-LC1-36 und schauen was die Wasserkühlung kann, die den Fokus klar auf Leistung und Lautstärke, aber weniger auf das Drumherum legt.
Technische Daten
| Maße Radiator (T x B x H) | 399,5 x 120 x 30mm (ohne Lüfter) |
| Material Radiator | Aluminium |
| Drehzahl Pumpe (Angabe) | 750 – 3400 U/min (Am Testsystem ca. 700 bis 3400 ) |
| Anschluss der Pumpe | PWM |
| Material Kühlerboden | Kupfer |
| Lüfter | 3x Noctua NF-A12x25 G2 PWM |
| Drehzahl Lüfter | ca. 0, 360– 1800 U/min |
| Intel Sockel | LGA1700, LGA1851, LGA1954 |
| AMD Sockel | AM4, AM5 |
| Besonderheiten | – 3 Pumpenprofile – Offset – 6 Jahre Garantie |
| Preis | Amazon.de: € 249,90* |
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Noctua NL-LC1-36 im Detail

Das Auspacken fällt erst mal nicht besonders aus. Man könnte jetzt sogar meckern, dass die Lüfter nicht vormontiert sind, wie es mittlerweile oft der Fall ist. Aber die kurze Schraubarbeit wird man schnell und nur einmal erledigt haben. Außerdem können auf einem separaten Karton für die Lüfter nochmal die Highlights eben jener präsentiert werden.
Das Zubehör ist üppig, es fällt aber auf, dass keine weiteren Lüfterschrauben für einen Push-Pull-Betrieb beiliegen. Man findet das Montagematerial, Wärmeleitpaste (NT-H2), Reinigungspad, sowie ein Cover für den Heatspreader (AM5), damit die WLP nicht alles vollschmiert. Außerdem gibt es einen Schraubendreher und ein dreifaches PWM-Kabel. Das Emblem für das Pumpencover hält magnetisch.

Die Anleitung gibt über die grundlegende Montage hinaus noch Infos zur optimalen Positionierung sowie Dos und Don’ts bei der Positionierung der Schläuche/Pumpe.

Noctua hatte schon bei den ersten Präsentationen die Kooperation mit Asetek in den Produktbeschreibungen hervorgehoben. Passend dazu findet man auf dem ansonsten schlichten Aluminiumradiator ein Asetek x Noctua. Der Radiator ist sauber verarbeitet und hat AiO typische 30 mm. Soweit so unspektakulär.

Optisch dezent ist eigentlich auch die gesamte AiO, wenn man von dem braun-beigen-Farbschema der Lüfter mal absieht (chromax.black-Variante soll kommen). Es gibt kein RGB, kein Display und damit eigentlich nichts, was viele viele andere Produkte in dem Segment aktuell hervorheben. Das Pumpencover ist schlicht, wie ein schwarzer Gugelhupf. Das Highlight verbirgt sich im Inneren.

Noctua hat die Asetek-Pumpe mit allerlei Dämpfung und Masse versehen. Das Ziel: Die Lautstärke und Akustik verbessern. Für Noctua üblich gibt es dazu quasi eine kleine Abhandlung, die wir nicht einfach gebetsmühlenartig wiederholen wollen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass mehrere Lagen Dämpfung die Lautstärke, aber vor allem hohe Frequenzen reduzieren, was abseits reiner dB(A)-Werte das Geräusch bei voller Drehzahl weniger penetrant macht. Wer alle Details will, findet sie im Artikel von Noctua.

Wir schreiben bewusst „weniger penetrant“. Bei maximalen 3400 U/min und einem kleinen finalen Leistungsplus ist eine aktuelle Asetek in der Spitze recht auffällig. Auch Noctuas-Tuning führt nicht dazu, dass sie bei dieser Drehzahl leise oder gar unhörbar wird. Sie ist klar wahrnehmbar und kann auch bei solide vierstelliger Drehzahl der Lüfter noch ausgemacht werden. Man kann sagen, dass das hohe penetrante Laufgeräusch einer Asetek (wir haben Asetek Adela und Gen8-Erfahrungen) reduziert wird und ein Surren/Rattern übrig bleibt. Stören wird es bei voller Drehzahl dennoch, wenn man nicht gerade die Lüfter im System sehr schnell laufen lässt und/oder ein Headsets auf dem Kopf hat.

Die Pumpe hat aber umfassende Steuerungsmöglichkeiten. Bereits bei 2600 U/min, dem Maximum im sog. Balance-Modus ist sie deutlich leiser und stört, zumindest bei Last/nicht im Minimum laufenden Lüftern, kaum mehr. Im Quiet-Modus bei 2100 U/min säuselt sie dann bereits so dezent, dass man kaum was davon hört, außer einem dezenten Rattern bei ruhiger Umgebung und hellhörigem Gehäuse. Wem das noch zu laut ist: Bis ~700 U/min geht sie runter. Damit kann sie zwar unter Last nicht mehr ausreichend kühlen (dazu sind nach unseren Beobachtungen je nach System min 1200 U/min notwendig, bei stark erhöhten Temperaturen), aber sie ist schlicht nicht mehr zu hören.

Die Ansteuerung per PWM bringt Besonderheiten mit sich: Im manuellen Modus (wählbar mittels Schalter) hat man maximal 3400 U/min, im Balance-Modus maximal 2600 und im Quiet-Modus maximal 2100 U/min. Im Minimum sind es immer 700-750 U/min. Ein integrierter Sensor (nicht auslesbar) überwacht jedoch die Flüssigkeit und greift je nach Profil ein. Das Ganze zeigt folgendes Diagramm, bevor wir es kompliziert beschreiben:

Wie gesagt hat Noctua die AiO sonst aber nicht mit irgendwelchen Extras ausgestattet. Man findet also weder Beleuchtung, Display und Noctua hat auch keinen Aufwand in ein Kabelsystem gesteckt. Ganz klassisch gibt es ein Verteilerkabel für die Lüfter und auch die Pumpe wird per 4-Pin angeschlossen. Verstecken muss man die Kabels selbst.

Apropos Lüfter: Es kommen natürlich die NF-A12x25 G2 zum Einsatz, die sicher einen wesentlichen Teil zu der hohen Leistung und Effizienz, soviel spoilern wir schonmal, beitragen.

Als optionales Extra gibt es lediglich einen VRM-Lüfter, den Noctua NL-ACF1, der auf die Pumpe aufgesetzt wird und das Sockelumfeld kühlt. Der ist allerdings als separates Produkt erhältlich und kostet nochmal 20 Euro, was man bei 250€ Anschaffungspreis sicher zweimal überlegt.

Seine Wirkung hängt natürlich auch davon ab, wie viel Airflow ohnehin schon im Gehäuse herrscht. Wir haben seine Auswirkung einfach mal folgend mittels einer Thermal Master P3 fotografiert, bei offenem Gehäuse und etwas unter 1000 U/min aller anderen Lüfter. Den VRM-Lüfter haben wir auf 75% gestellt.
Die Verbesserung der Temperatur von bis zu über 5 Grad ist einerseits eindeutig zu sehen, in vielen Fällen sollte dies aber keine große Rolle spielen, sodass wir den Lüfter nur für die Fälle empfehlen, wo er wirklich gebraucht wird. Er wird einzeln per PWM angeschlossen. Akustisch fällt er kaum zusätzlich auf und geht im allgemeinen Betriebsgeräusch unter, wenn man ihn nicht gerade allein auf voller Leistung laufen lässt während alles andere gedrosselt ist.
Montage

Die Montage ist sehr einfach wozu das lang bekannte SecuFirm2-System des Herstellers zum Einsatz kommt. Hier in Form von SecuFirm2+ mit Torx, was im Detail für ein angenehmeres Handling sorgt, ohne dass man jetzt in Euphorie über einen anderen Schraubenkopf ausbrechen muss.

Sowohl für Intel LGA1851 als auch AMD AM5 hat Noctua Offsets, also eine versetzte Montage zu den Hotspots, in das Montagematerial integriert. Dies kann nochmal ein kleines Performance-Plus bewirken. Dazu trägt laut Noctua auch der optimierte Anpressdruck bei.

Und wo wir schon mal bei der optimalen Performance sind: Für diese sollen die Schläuche nach unten ausgerichtet werden. Das hat man bereits auch bei einigen anderen AiOs in der Anleitung gelesen. Auf AMD AM5 hat man aufgrund der Bohrungen und dem Montagematerial ohnehin keine andere Wahl. Wir folgende falls möglich immer den Anweisungen der jeweiligen Hersteller, so auch hier.

Kühlleistung und Lautstärke der Noctua NL-LC1-36
Ablauf:
Die Kühler werden bei einer möglichst konstanten CPU-Leistungsaufnahme getestet. Dazu kommt prime95 zum Einsatz mit fester FFT-Größe (12). Gemessen wurde nach einer Aufwärmphase von 30 Minuten die Differenz der Durchschnittstemperatur aller Kerne zur Raumtemperatur über einen Zeitraum von 10 Minuten. Die Ergebnisse wurden dann auf 20 Grad Raumtemperatur normiert. Das Ganze bei maximaler Drehzahl, bei 40 dB(A) und, falls möglich, bei 1000 U/min. Die Gehäuselüfter werden bei 1000 U/min betrieben.
Temperaturen auf Intel LGA1700
Testsystem
- Intel Core i5-13600K
- MSI Z790 Tomahawk WiFi
- 2x 16GB Corsair Vengeance DDR5-6000
- be quiet! Shadow Base 800 DX (Zwei Frontlüfter + Hecklüfter)
- be quiet! Straight Power 12 1000W
Maximale Drehzahl
Zunächst der Durchschnitt aller Kerne:

Die Noctua NL-LC1-36 konnte sich auf LGA1700 zunächst ganz knapp auf den ersten Platz schieben. Bemerkenswert ist dabei die geringere Lautstärke als bei allen anderen Modellen. Am nächsten kommt ihr hier die Galahad II LCD, die auf eine Asetek Gen8-Basis setzt, aber auch andere Modelle sind nicht weit weg.
Betrachten wir nur die P-Cores, so konnten sich die lauteren Hydroshift-Modelle vor die Noctua setzen:

Leistung bei 40 dB(A)
Wir haben folgend neben den Lüftern auch die Pumpe reguliert, um auf 40 dB(A) zu kommen. Wir haben uns für 2600 U/min (Maximum im Balance-Modus) entschieden. Es passierte natürlich was man anhand der deutlich niedrigeren Lautstärke im Vergleich zu den Mitbewerbern erwarten konnte, die viel stärker gedrosselt werden mussten. Die Noctua AiO schiebt sich komfortabel an die erste Position, bei beiden Werten.


Leistung bei 1000 U/min
Auch unabhängig der Lautstärke ist das Ergebnis hervorragend. Die P-Core-Temperaturen haben wir hier auch in der Vergangenheit nicht ermittelt, eventuell holen wir das für die Vollständigkeit nochmal nach. Die Pumpe lief auch hier auf 2600 U/min, da sie sonst übermäßig laut wäre.

Temperaturen auf AMD AM5
Testsystem:
- AMD Ryzen 9 7900X @ 120W und 175W
- ASUS ROG Strix X670E-F Gaming Wifi
- 2x 16GB DDR5-Ram G.Skill FlareX 5 6000 MT/s
- Seasonic Focus PX-650
- be quiet! Dark Base 901 (Meshfront, Gehäuselüfter ca. 1000 U/min)
Maximale Drehzahl (120 Watt)
Während es auf dem LGA1700-System keine sockelspezifischen Optimierungen gab, gibt es auf AMD AM5 das Offset, das neben den effizienten Lüftern nochmal für einen kleinen Bonus sorgen kann. Entsprechend gut ist das Abschneiden!
Erwähnen möchten wir an dieser Stelle noch, dass wir die Corsair AiOs mit MX4 getestet haben, da Corsair keine weitere WLP beilegt und die aufgetragene im LGA1700-Test verbraucht wurde. Wir haben die Noctua AiO in einer Stichprobe ebenfalls mit MX4 verbaut, was in ~0,5 Grad schlechteren Temperaturen resultierte.

Die Differenz von ~1Grad zum zweiten Platz ist vergleichsweise groß. Auf angepasster Lautstärke fällt auch hier der Vorsprung wieder deutlich stärker aus und sorgt für ein hervorragendes Ergebnis:

Die Leistung bei 1000 U/min war nicht weniger beeindruckend:

Maximale Drehzahl (175 Watt)
Folgend noch der Test bei 175 Watt, den wir in der Vergangenheit nur bei maximaler Drehzahl durchgeführt haben. Wir versuchen auch hier noch Vergleiche bei angepasster Lautstärke nachzuholen und diese zukünftig aufzuzeigen.
Bei maximaler Drehzahl konnte sich die Noctua-Kühlung noch weiter absetzen:

Auswirkung der Pumpe
Um die Unterschiede besser abbilden zu können, haben wir das Messgerät in 10 cm Entfernung zur Pumpe aufgestellt. Wegen Messabweichung und der Genauigkeit des Messgerätes sind die folgenden dB(A) nur eine schnelle Orientierung. Wie es sich tatsächlich anhört versuchen wir zu beschreiben und ist auch immer subjektiv.
Die Temperaturdifferenz wurde über die ersten Minuten nach Drosseln der Pumpe bei voller Auslastung mittels prime95 unter 181 W (Intel, avg Core ) bzw. 120W (AMD. CPU Tdie) mit 1000 U/min der Lüfter beobachtet.
| Temperaturdifferenz zu 100% (Intel 181W – Core avg) | Temperaturdifferenz zu 100% (AMD 120W – CPU Tdie) | dB(A) | |
|---|---|---|---|
| Pumpe @ 100 % | – | – | 43,8 dB(A) |
| Pumpe @ 2600 U/min | +0,5 °C | +0,6 °C | 38,8 dB(A) |
| Pumpe @ 2100 U/min | +2 °C | +2 °C | 36,8 dB(A) |
| Pumpe @ 1450 U/min (35%) | +3,6 °C | +4,1 °C | <34,5 dB(A) |
| Pumpe @ 1000 U/min (25%) | +12 °C | +11,5 °C | <34,5 dB(A) |
| Pumpe @ 20 % (min) | Throttling | +19 °C | <34,5 dB(A) |
Auch wenn diese Werte nur grobe Stichproben über wenige Minuten sind, ergab sich allgemein das Bild, dass sich die Pumpenprofile bei der maximalen Drehzahl nur wenig unterscheiden. Die Größenordnung lag bei 2 Grad bei unseren Systemen. Noctua selbst gibt Werte zwischen 2.5 bis 6 Grad an, letzteres allerdings bei extrem hoher Leistungsaufnahme. Die maximale Drehzahl lohnt sich also kaum. Nutzt man den Drehzahlbereich nach unten aus, ist eine Kühlung unter Last kaum mehr möglich. Der Temperaturverlauf deckt sich grob mit den Werten aus der früher getesteten GA II LCD.
Fazit
Die Noctua NL-LC1-36 hat durchaus beeindruckt! Nein, Noctua erfindet das Rad nicht neu! Wie auch: Es ist im Grunde eine aktuelle (leistungsstarke) AiO-Basis von Asetek. Noctua hat diese aber eben, wie man es von Noctua fast nicht anders kennt, sehr weit optimiert und dabei an vielen Stellschrauben gedreht, um noch ein bisschen was zu erreichen. Das macht sich bei allgemein wenig Leistungsunterschied im großen großen AiO-Markt dann eben bemerkbar.
Auf der einen Seite so sehr, dass wir zumindest bei den bisher getesteten Modellen sagen möchten, dass Noctua dann teilweise eben doch ein bisschen in einer eigenen Klasse spielt. Auf der anderen Seite kann man auch sagen: Was sind schon ein, zwei Grad? Das muss dann jeder selbst entscheiden. Wir kennen natürlich längst nicht jede AiO, aber die Leistung der NL-LC1-36 war schon beeindruckend.
Es sind sicher Dinge wie die bekanntermaßen starken Lüfter, die für eine AiO selbst in der Spitze noch vergleichsweise leise bleiben und das integrierte Offset dafür verantwortlich, dass man – zumindest nach unserer Beobachtung – der Konkurrenz etwas voraus ist. Diese bietet dafür aber andere Dinge wie Displays, Kabelsysteme etc., die Noctua vollkommen außer Acht lässt. Die Kleinigkeiten summieren sich aber und so konnten wir auf zwei Testsystemen neue Bestwerte erreichen, auf LGA1700 ohne die spezifischen Sockeloptimierung aber nicht ganz sensationell wie auf dem AM5-System.
Bei Noctua sind es also unverkennbar die grundlegenden Eigenschaften, die im Vordergrund stehen: Kühlleistung, Lautstärke und damit die Effizienz, wo wir die NL-LC1-36 derzeit als den aktuellen Spitzenreiter unter den 360-mm-AiOs sehen. Man muss und darf natürlich auch sagen, dass man eine ähnliche Leistung generell bei vielen AiOs bekommt, für weniger Geld oder mit mehr Ausstattung.
Die Pumpe überzeugt, da sie über einen großen Drehzahlbereich sehr sehr leise betrieben werden kann. Aber auch hier gilt: Bei maximaler Drehzahl kann auch Noctua nicht zaubern. Sie ist dann klar hörbar, Dämpfung hin oder her. Wir sehen aber keinen Grund sie überhaupt damit zu betreiben. Aber auch hier sei gesagt: Andere AiOs haben auch regelbare, leise Pumpen.
Ein Wunder vollbringt Noctua also nicht. Eher belohnt sich der Hersteller mit dem Zusammenspiel vieler Dinge, die die NL-LC1-36 zu einer, wenn nicht gar der effizientesten 360-mm-AiO machen, die es aktuell gibt.
Wir haben das Produkt vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Test oder die Wertung fand nicht statt.





