
Vor wenigen Tagen hatte wir bereits zur Vorstellung der Radius einen ersten Blick auf Fractal’s neue AiO-Wasserkühlung geworfen. Nun gehen wir im Test wie gewohnt der Leistung und Lautstärke auf den Grund.
Technische Daten
| Maße Radiator (T x B x H) | 277 x 120 x 27 mm (ohne Lüfter) |
| Material Radiator | Aluminium |
| Drehzahl Pumpe | ca. 1950– 3300 U/min |
| Anschluss der Pumpe | PWM, SATA, USB |
| Material Kühlerboden | Kupfer |
| Lüfter | 2x Dynamic 3 – 12 |
| Drehzahl Lüfter | ca. 350 bis 2200 U/min |
| Intel Sockel | LGA 18xx / 1700 / 1200 / 115x |
| AMD Sockel | AM4, AM5 |
| Besonderheiten | – Adjust Pro Webinterface – Beleuchtung – 5 Jahre Garantie |
| Preis | Alternate.de: € 89,90* |
Fractal Design Radius 240 RGB im Detail
Der Lieferumfang ist ziemlich knapp. Gut ist, dass man für die Montage quasi keinerlei Kleinteile benötigt. Dank vormontierter Lüfter beschränkt sich die Schraubarbeit eigentlich nur auf die Radiatorschrauben. Das Handbuch ist recht hochwertig und gibt auch ein paar interessante Infos wie die Füllmenge. Es gibt allerdings keine zusätzliche Wärmleitpaste und keine anderen Zugaben.

Wir haben das 240er RGB-Modell vorliegen, das neben der Beleuchtung auch einen anderen Anschluss mitbringt, nämlich per USB. Zudem PWM für die Steuerung und das Drehzahlsignal sowie ein SATA-Stromanschluss. Ansonsten ist die Radius aber ziemlicher Standard und fällt nicht durch Besonderheiten auf.

Der Pumpendeckel bietet eine diffuse ARGB-Beleuchtung und lässt sich drehen. Austauschbare Designs oder gar ein Display gibt es nicht. Auf der kupfernen Kühlplatte ist die Wärmeleitpaste aufgetragen, weitere liegt nicht bei.

Die Montagerahmen werden für den jeweiligen Sockel einfach angesteckt und verfügen über fest angebrachte, gefederte Schrauben.

Die Pumpe arbeitet mit bis zu 3400 U/min (max. 3340 U/min am Testsystem) und kann über das PWM-Signal auf ca 1900 U/min gedrosselt werden. Das im oberen Bereich auffällige Summen wird im Verlauf erstmal tiefer und bleibt aber über weite Bereiche hörbar, wenn die Lüfter es nicht mit hohen Drehzahlen überdecken. Unterhalb von 20 % kann die Pumpe aber dann erfreulich leise arbeiten und dürfte nicht stören. Es ist dafür also eine weite Drosselung erforderlich.
Die Steuerung findet gleichzeitig mit den Lüftern statt, da beide über das gleiche PWM-Signal gesteuert werden. Trotzdem sind unterschiedliche Kurven möglich, dazu gleich mehr.

Die 120-mm-Lüfter vom Typ Dynamic 3 sind miteinander verbunden und über in den Schläuchen verstecke Kabel mit der AiO verbunden. Das sorgt für einen einfacheren Anschluss. Die Menge an Kabel reduziert es aber nicht unbedingt und führt diese zudem komplett durch das Blickfeld im System. Ihr Drehzahlbereich ist vorbildlich groß – von ~350 bis 2200 U/min geht es, was auch bei der Lautstärke für eine große Bandbreite sorgt. Im Minimum ist nichts von den Lüftern zu hören, auch Lagergeräusche sind uns nicht aufgefallen. Auch bei 1000 U/min sind sie noch recht zurückhaltend.
Die ARGB-Beleuchtung ist bei den Lüftern nichts herausragendes. Mit 8 ARGB-LEDs in der breiten Nabe bieten sie Bekanntes. Die Beleuchtung ist in der Mitte deutlich heller als an den Flügeln, Hotspots sind sichtbar. Da fällt die Beleuchtung des Pumpendeckels deutlich gleichmäßiger aus. Im ausgeschalteten Zustand zeigt die Oberfläche bunte Schlieren und gut sichtbar jedes Staubkorn.


Adjust Pro Konfiguration und Montage

Für die RGB-Steuerung kommt der USB 2.0-Anschluss ins Spiel, der eine Konfiguration über die Adjust Pro Webanwendung ermöglicht.

So kann die Beleuchtung einfach im Browser konfiguriert und gespeichert werden, ohne dass man eine Software installieren und im Hintergrund haben muss. Die Weboberfläche übernimmt auch die Firmware-Updates.

Neben einigen vorkonfigurierten Effekten ist auch eine genauere Einstellung der Beleuchtung (Effekt, Farbe, Helligkeit) möglich. Man kann zudem einen Starteffekt einstellen.

Im Punkt Kühlung ist es möglich das PWM-Signal zu verändern. Eine echte Steuerung von Pumpe und Lüfter anhand der Temperatur ist das nicht, sondern einfach nur die Anpassung des weiterhin erforderlichen Eingangssignals des Mainboards bzw. einer Lüftersteuerung, die natürlich unbedingt ein PWM-Signal liefern muss. Man legt dann fest, was aus diesem Eingangssignal gemacht wird. Man kann es einfach eins zu eins übernehmen, also z.B. 20%=20%, oder eben abwandeln. Das ist irgendwie erstmal doppelt, daher sollte man eine lineare Kurve einstellen und mit der zweiten dann wie gewünscht steuern. Einen Vorteil hat das jedoch: Man kann für Pumpe und Lüfter getrennt eine PWM-Kurve einstellen und somit trotz nur eines Anschlusses beide einigermaßen unabhängig steuern und damit die tendenziell hörbare Pumpe etwas zähmen.

Weiterhin kann hier auch die Drehzahl der Lüfter angezeigt werden, am PWM-Anschluss sieht man nur die Pumpendrehzahl.
Die Installation ist besonders auf AMD AM5 ein Kinderspiel. Die meiste Arbeit macht das Anschrauben des Radiators. Der Auftrag der Wärmeleitpaste entfällt bei der ersten Montage. Es ist bei AMD AM5 zudem nicht notwendig eine Halterung im System zu montieren. Die Kühleinheit wird mit dem dem Sockel entsprechenden Rahmen einfach aufgesetzt und direkt festgeschraubt.
Für ein Intel-System muss die Backplate eingesetzt werden. Diese wird angeklebt, dann funktioniert das Prinzip wie bei AMD. Theoretisch ist das einfach, wir mögen verklebte Lösungen aber nicht und hätten hier ein geschraubtes oder gestecktes System bevorzugt.

Kühlleistung und Lautstärke der Radius 240 RGB
Testsystem
- Intel Core i5-13600K
- MSI Z790 Tomahawk WiFi
- 2x 16GB Corsair Vengeance DDR5-6000
- be quiet! Shadow Base 800 DX (Zwei Frontlüfter + Hecklüfter)
- be quiet! Straight Power 12 1000W
Ablauf:
Die Kühler werden bei einer möglichst konstanten CPU-Leistungsaufnahme getestet. Dazu kommt prime95 zum Einsatz mit fester FFT-Größe (12). Gemessen wurde nach einer Aufwärmphase von 30 Minuten die Differenz der Durchschnittstemperatur aller Kerne zur Raumtemperatur über einen Zeitraum von 10 Minuten. Die Ergebnisse wurden dann auf 20 Grad Raumtemperatur normiert. Das Ganze bei maximaler Drehzahl, bei 40 dB(A) und, falls möglich, bei 1000 U/min. Die Gehäuselüfter werden bei 1000 U/min betrieben.
Bei der gemeinsamen Ansteuerung vom Pumpe und Lüfter mit einer linearen Einstellung von 0-100% bei beiden Komponenten hat die Radius tendenziell ein herausstechendes Pumpengeräusch, wenn dieses nicht von den Lüftern oberhalb von ca. 1500 U/min überlagert wird. Vor allem der Bereich zwischen 500-1500 U/min der Lüfter wird klar von der Pumpe dominiert, die erst im unteren Prozent-Bereich nach unserem Empfingen richtig leise wird. Hier sollte man, sollte sie stören, also selbst die Kurve anpassen. Der Leistungsverlust hielt sich bei unseren Stichproben in Grenzen und lag bei 2-3 Grad.
Da wir 240-mm-AiOs eher selten testen, haben wir nur zwei Vergleichskandidaten. Zudem haben wir die Werte eines 360-mm-Modells als Vergleich mit reingenommen.
Beim ersten Durchgang waren die Werte doch schlechter als erwartet, so dass wir eine weitere Montage mit MX-6-Wärmeleitpaste durchgeführt haben. Damit erreichten wir deutlich bessere Werte, wobei mangels weitere Originalwärmeleitpaste nicht geklärt werden kann, ob es an dieser, oder der Montage lag.

Bei den P-Cores performt sie etwas stärker

Insgesamt ist die Leistung solide auf einem erwartbaren Niveau. Mit 48,7 dB(A) können die Lüfter zwar recht laut werden, es gibt allerdings noch lautere AiOs.
Für die 40 dB(A) haben wir die Pumpe gemeinsam mit den Lüftern auf ca. 75% reguliert. Die testweise Erhöhung der Pumpendrehzahl auf das Maximum bei gleicher Lüfterdrehzahl hätte die Leistung um nur rund ein halbes Grad verbessert.


Fazit
Das Prinzip der Fractal Radius RGB ist eigentlich ganz interessant, im Detail aber nicht restlos überzeugend. Über den Preis punktet die Radius-Serie durchaus, wobei wir sagen würden, dass man besser gleich zum größeren 360-mm-Modell greifen sollte. Wenn der Platz für den größeren Radiator vorhanden ist, macht der Preisunterschied auf Basis der UVP von lediglich 10 € das 240er-Modell recht uninteressant. Die Kühlleistung war auf unserem System mit dem 240er-Modell letztlich auf einem erwartbaren, aber nicht herausragenden Niveau. Die Lüfter überzeugen durch eine große Bandbreite inklusive leisen Betrieb, die Pumpe muss man schon etwas stärker drosseln damit sie leise wird und nicht aus dem Betriebsgeräusch heraussticht.
Die Radius ist auf der einen Seite sehr simpel in der Anwendung: Die Montage ist denkbar einfach und die Lüfter brauchen keinen eigenen Anschluss im System. Trotzdem müssen mit PWM, SATA und USB immerhin drei Kabel angeschlossen werden und so hat man gegenüber der gängigen Kombination aus 2x PWM + ARGB nicht viel gewonnen und sämtliche Kabel müssen von der Pumpeneinheit aus verlegt werden.
Dass man die Radius RGB mit der Adjust Pro Webanwendung im Browser konfigurieren kann ist praktisch, da die Einstellungen gespeichert werden und schöne ARGB-Effekte geboten werden. Natürlich würde sich vieles aber auch einfach mit den Mitteln aktueller Mainboards umsetzen lassen und das Mainboardsignal wird auch weiterhin zum Steuern von Lüftern und Pumpe benötigt. Hier hat die Adjust Pro Konfiguration aber den Vorteil, dass man die Kurven getrennt einstellen kann – was bei getrenntem Anschluss aber auch gehen würde.
Der Preis ist wie gesagt ok, möglicherweise hätte man mit Einsparung der USB-Schnittstelle/Software, die nicht unbedingt einen Mehrwert bieten, diesen aber noch etwas niedriger gestalten können. Stark ist aber, dass man 5 Jahre Garantie bekommt.
Wir haben das Produkt vom Hersteller zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme auf den Test oder die Wertung fand nicht statt.





