Sennheiser GSP 600 im Test

Sennheiser GSP 600 Review

Das Sennheiser GSP 600 richtet sich laut Hersteller an anspruchsvolle Gamer und verspricht neben ausgezeichnetem Klang einen perfekten Tragekomfort. Ob das fast 400g schwere Gamerheadset diesen Ansprüchen gerecht wird, haben wir uns im folgenden Test angesehen. Viel Spaß beim Lesen!

Sennheiser GSP 600 im Überblick

Verpackung und Lieferumfang

Das Sennheiser GSP 600 wird in einer passgenauen Form aus Schaumstoff geliefert. Auf der ansprechend gestalteten Umverpackung sind einige technischen Daten aufgelistet, sowie die Garantiezeit von 2 Jahren hervorgehoben. Das Zubehör wird in einer extra Pappschachtel mitgeliefert und besteht aus einem kleinen Guide und zweierlei gesleevten Anschlusskabeln. Eines bietet zwei 3 Pol 3.5mm Anschlüsse und das andere einen 4 Pol Anschluss und ist damit primär für Konsolen gedacht. So ergibts sich auch die Kompatibilität zu PS4, Xbox One und allem, was sonst noch mit 3.5mm Klinke arbeitet. Das PC-Kabel ist 2.5 m lang, das Konsolenkabel kommt auf 1.5 m.

Technische Daten

  • Treibergröße –
  • Frequenzumfang 10HZ – 30 kHz
  • Gewicht 395g
  • Impedanz 28 Ohm
  • Schalldruckpegel 112 SPL @1kHz, 1V RMS
  • Bauart geschlossen, ohrumschließend
  • Anschluss 3.5 mm Klinke (3 Pol und 4 Pol)

Sennheiser GSP 600 im Detail

Das Sennheiser sich mit dem GSP 600 ganz klar an die Gamingklientel richtet, wird mit dessen Design kompromisslos betont. Von Understatement keine Spur, setzt man hier auf auffällige, markante Formen mit roten Farbakzenten. Damit zieht man auch eine eindeutige Grenze zu HiFi-Produkten und zeigt wo man sich positionieren möchte, eben dort, wo neben der rein technischen Basis eine gewisse Coolness gefragt ist – was wir ganz wertfrei meinen. So kommt das GSP 600 auf den ersten Blick sehr schwer und wuchtig daher und ist absolut kein Leichtgewicht. Stolze 395g bringt das GSP 600 auf den Kopf. Im Vergleich dazu wiegen andere beliebte Headsets eher im Bereich um 330g, was schon nicht leicht ist, aber locker überboten wird.

Das Äußere besteht „nur“ aus Kunststoff, ansonsten würde das Gewicht wohl noch höher ausfallen. Allerdings ist der Kunststoff ausgesprochen hochwertig und Verarbeitung des GSP 600 eine Wucht. Es ist sehr stabil, knarzt nicht und die Passform der einzelnen Teile könnte besser nicht sein.

Sennheiser GSP 600

Das Kopfband ist großzügig gepolstert, die Ausschnitte minimieren zudem die Auflagefläche. Besonderheit sind die zwei Schiebregler links und rechts am Kopfband mit denen der Anpressdruck auf die Ohren variiert werden kann. Die Verbindung zu den Hörern ist aus Aluminium und nicht aus Kunststoff. Die zwei dort platzierten Gelenke ermöglichen ein Drehen und Kippen um jeweils ca. 45°. Die Länge des Kopfbandes kann pro Seite um ca. 5cm verstellt werden, der Mechanismus verfügt über eine feine Rasterung.

Die Ohrpolster der ohrumschließenden Hörer sind im Inneren aus einer rauen bzw. samtigen Oberfläche, die an Velours oder Microfaser erinnert. So soll die Langzeitnutzen, gerade in Bezug auf die Hitzeentwicklung, stark verbessert werden – was gegenüber dem glatten Kunstleder auch eindeutig funktioniert.

Sennheiser GSP 600

Am linken Höhrer ist das Mikrofon an einem breiten Arm angebracht. Der Bereich zwischen den roten Linien ist flexibel und ermöglicht es die die Distanz zum Mund etwas anzupassen. Wird das Mikro hochgeklappt, schaltet es sich automatisch stumm. Anders als über einen Taster bekommt man darüber kein Feedback, so dass man sich daran etwas gewöhnen und Vertrauen in die Mechanik entwickeln muss. Die Mechanik ist leichtgängig aber dennoch stabil, in der Mitte gibt es einen dezenten Arretierungspunkt.

Sennheiser GSP 600

Ebenfalls auf der linken Seite wird das Kabel eingesteckt, dieses ist nämlich zu unserer Freude modular. Eventuelle Kabelbrüche lassen sich so viel leichter lösen. Nicht so schön: Sennheiser setzt headsetseitig auf einen 2.5mm Anschluss, die sogenannte Mikroklinke. Das ist zwar kein herstellereigenes Format, aber längst nicht so gängig wie die 3.5mm Miniklinke. Dennoch bekommt man entsprechende Adapter und Kabel problemlos nachgekauft, wobei Sennheiser die Kabel auch als Ersatzteil anbietet. Da ein Teil der Ummantelung mit in den Anschluss geschoben wird, sollte ein Austauschkabel den Durchmesser von 7,5 mm nicht überschreiten.

Auf der rechten Seite befindet sich versteckt ein Lautstärkeregler, denn man erstmal kennen muss. Das gesamte schwarze Element lässt sich drehen und bietet dabei viel Wiederstand. So wird einerseits eine gewisse Wertigkeit vermitteln, ein Verstellen beim Auf- oder Absetzen ist aber ausgeschlossen.

Sennheiser GSP 600

Kommen wir abschließend zum technischen Unterbau. Das GSP 600 verfügt über eine geschlossene Bauweise und schottet damit auch klar von der Umwelt ab, in beide Richtungen. Der Durchmesser der dynamischen Treiber ist nicht angegeben. Die Impedanz liegt bei sehr geringen 28 Ohm und in Verbindung mit dem Schalldruckpegel von 112 dB SPL @ 1 kHz (1V RMS) ist das GSP 600 leicht anzutreiben. Selbst an schwächeren Smartphones, dem PS4 Controller und div. Onboard-Chips spielt das Headset lauter als man es ertragen könnte.

Beim Frequenzgang macht Sennheiser sehr üppige Angaben und attestiert dem GSP 600 10 bis 30000 Hz, was wie immer mit Vorsicht zu genießen ist.

Klangcheck

Anders, als man es von vielen, vielen Gamingprodukten kennt, ist das GSP 600 kein Bassmonster. Die Mitten und Tiefen sind angenehm neutral und schön ausbalanciert. Auch wenn das Sennheiser Headset nicht über eine ausgeprägte Badewannenabstimmung verfügt, sind die Höhen dennoch angehoben, aber ohne unangenehmen starken Peak. Besonders Games profitieren beim Aspekt der Ortung von dieser Abstimmung.

Zu der geschlossenen Bauweise kommt zusätzlich eine passive Isolierung und so schottet das GSP 600 sehr deutlich von der Außenwelt ab. Auch ohne aktive Widergabe sind die Umgebungsgeräusche sehr stark gedämpft. Eine Unterhaltung ist nur mehr mit gehobener Stimme des Gegenübers möglich, Hintergrundgeräusche wie vorbeifahrende Autos werden komplett geschluckt.

Dies sorgt insbesondere bei Spielen für eine starke Isolierung von der Außenwelt und ermöglicht es in die virtuellen Welten einzutauchen. Die starke Abschottung ist aber sicher nicht jedermanns Sache, weil man eben doch sehr gefangen ist.
Erfreulich ist jedoch, dass trotz dieser Aspekte die Bühne des GSP 600 überraschend groß bzw. nicht so klein ist, wie man denken könnte. Der Klang wahrt eine gewisse Distanz zum Ohr und die räumliche Darstellung überzeugt. Das zeigt sich vor allem in den Spielen „The Witcher 3“ und „Battlefield 1“ wo die Umgebungsgeräusche, Stimmen in den Menschenmengen bzw. Schlachten auf großen Karten ein hohes Maß an Immersion erzeugen. Die Luftigkeit eines offenen Kopfhörers wird natürlich nicht erreicht.

Sennheiser GSP 600

Der Bass ist hart, kommt schön tief, bleibt aber dezent und ist nicht unnatürlich angehoben. So strahlt er nicht in die Mitten, welche demnach neutral und detailliert ausfallen. Auch männliche Vocals bleiben natürlich und bekommen kein ungewolltes Volumen und Gitarrenklänge mutieren nicht zum Bassinstrument. Den absoluten Spaßhörern könnte es an Wucht fehlen, dafür klingen die GSP 600 lebendig und nach vorn gerichtet.

Die Höhen haben einen kleinen Peak und holen viele Details aus dem Klangbild hervor, ohne jedoch in unangenehme Spitzen auszuarten. Ab und an wirken sie etwas zu präsent und können bei einer komplexen Soundkulisse mal überfordernd sein, entschädigt wird man mit hohem Detailreichtum und guter Auflösung.

Alles in Allem bietet das GSP 600 entgegen seiner Optik ein sehr erwachsenes und anspruchsvolles Klangbild. Klare Höhen, präsente Mitten und Bass der da ist, wo er sein soll, dabei aber nicht in andere Bereiche schwappt. Die Bühne ist gut, kommt aber nicht an offene Kandidaten heran, dafür ist man unter sich, wird nicht gestört und stört auch niemand anderen.

Ob man einen aktuelleren Onboard-Chip oder dedizierte Soundkarte nimmt, spielt bei dem GSP 600 eher eine untergeordnete Rolle. Subjektiv wird der Klang an einer Creative ZxR noch ein Ticken dynamischer, aber auch am Onboard-Chip (ALC1150) macht das Hören spaß. Das Sennheiser Headset zeigt sich hier sehr genügsam.

Das Mikrofon zeichnet die Stimmen authentisch mit einer angenehmen Tiefe auf, bleibt dabei klar und deutlich. Auffällig ist jedoch, dass es recht leise ist, vermutlich bedingt durch die Noise-Canceling-Funktion. Diese funktioniert sehr gut. Hintergrundgeräusche werden deutlich reduziert aufgezeichnet.

Sennheiser GSP 600

Der geringe Pegel führt natürlich dazu, dass man je nach Soundkarte den Pegel anheben/eine Verstärkung hinzuschalten muss, was abhängig vom Gerät zu einem Grundrauschen führen kann. Hier ist die Güte stark vom verwendeten Gerät abhängig, an sich konnten wir kein störendes Grundrauschen des GSP 600 Mikrofons feststellen.

Ergonomie

Chapeau! Sennheiser ist es gelungen das GSP 600 sehr universell in seiner Passform zu gestalten. Die Kombination aus der feinen Rasterung am Kopfband und dem variablen Anpressdruck ermöglichen es, die optimale persönliche Passform zu finden. Auf der kleinsten Stufe ist der Anpressdruck moderat und drückt auch mit Brille nur wenig. Etwas weniger wäre aber noch schöner gewesen.

Das Kopfband spürten wir so gut wie gar nicht, es liegt sanft auf und das gute Polster tut das Übrige. Auch die Ohrpolster sind angenehm, sitzen aber deutlich präsenter auf den Ohren, dafür aber absolut stabil und sicher. Die Wärmeentwicklung darunter ist unproblematisch und auch nach langen Sessions sind die Ohren nur etwas aufgewärmt, kein Schwitzen, kein Brennen, kein Jucken.

Was sich jedoch bemerkbar macht ist das Gewicht. Besonders anfangs war dies doch ungewohnt und sogar ermüdend. Allerdings stellte sich auch eine schnelle Gewöhnung ein, so dass dies unserer Erfahrung nach nur an den ersten Tagen störend sein kann.

Fazit

Sennheiser hat mit dem GSP 600 ein tolles Headset mit starkem Klang, exzellenter Verarbeitung und guter Passform im Angebot. Das lässt man sich einiges Kosten und so werden für das hervorragende Gesamtpaket mindestens 230€ fällig. Das man mit einer KH+Mic Kombination für weniger Geld klanglich genauso gut fahren kann, soll hier nicht Gegenstand der Diskussion sein. Es ändert nämlich nichts daran, dass die angesprochene Zielgruppe hier ein hochwertiges Produkt bekommt, das klanglich in einer erwachsenen Liga spielt und das sich problemlos an nahezu jeder Quelle betreiben lässt. Das Design dürfte jedes Gamerherz höher schlagen lassen.

Größter Kritikpunkt ist für uns vor allem das Gewicht, dass zusammen mit dem festen Sitz und der starken Isolierung sehr gewöhnungsbedürft ist.

Schreckt einen das nicht ab, ist das GSP 600 für jeden Gamer interessant, der klanglich gehobenere Ansprüche hat, perfekte Verarbeitung wünscht und sich voll und ganz auf das Geschehen konzentrieren will.

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